Mehr als die Summe seiner Symptome
Zur kulturhistorischen Neuropsychologie und Pädagogik des Williams-Beuren-Syndroms- Autor:innen:
- Verlag:
- 2014
Zusammenfassung
Das Williams-Beuren-Syndrom (WBS) ist eine seltene neuropsychologische Entwicklungsstörung, die zumeist mit einer geistigen Behinderung einhergeht. Ausgangspunkt des veränderten Entwicklungspfades sind Genverluste auf dem Chromosom 7. Seit über 30 Jahren haben das neurokognitive Profil (hohe sprachliche Flüssigkeit und Kompetenz, große Probleme beim räumlichen Denken und Handeln) und das rätselhafte Sozialverhalten zu intensiver disziplinübergreifender Forschungstätigkeit angeregt. Die Identifizierung des genetischen Markers und die Aufdeckung der hirnfunktionellen Ursachen für die räumlich-konstruktiven Denk- und Handlungsprobleme gelten als Meilensteine der WBS-Forschung. Dennoch ist Ernüchterung eingetreten, denn die erhofften einfachen Rückschlüsse vom Geno- zum Phänotyp erweisen sich erkenntnistheoretisch als illusorisch und lebensweltlich fragwürdig: Es gibt kaum Nutzen aus der Grundlagenforschung, das Syndrom erscheint nur als Summe von Symptomen, die Eltern finden in der defektorientierten Literatur wenig Subjektbezug. Ursächlich hierfür ist der gegenwärtig dominierende Forschungsansatz, die Quellen bewusster psychischer Prozesse und des Verhaltens – sowie deren mögliche Störungen unter den Bedingungen des WBS – entweder in den Tiefen der Gene, des Gehirns oder des Geistes zu suchen. Dieser Reduktionismus von oben bzw. von unten lässt jedoch außer Acht, was für Eltern und Pädagogen im Zentrum des Interesses steht: das fühlende, denkende und widersprüchlich handelnde Subjekt. Mithilfe der kulturhistorischen Theorie (VYGOTSKIJ, LEONT’EV, LURIJA und JANTZEN) und deren Ansatz, die Quellen der bewussten Tätigkeit und des Verhaltens in den äußeren Lebensbedingungen des gesellschaftlichen Lebens zu identifizieren, schließt Ingolf PROSETZKY diese Lücke. Seine methodologische Arbeit verbindet das 'zersplitterte' Forschungsfeld, ermöglicht durch den subjekt- und entwicklungsorientierten Zugang ein ganzheitliches Syndrombild und zeigt pädagogische Handlungsperspektiven auf.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2014
- ISBN-Print
- 978-3-86541-628-5
- ISBN-Online
- 978-3-86541-655-1
- Verlag
- Lehmanns, Berlin
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 500
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort: Über den Nutzen methodologischer Reflexion Kein Zugriff
- Danksagung Kein Zugriff
- Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff
- Abbildungsverzeichnis Kein Zugriff
- Häufig verwendete Abkürzungen Kein Zugriff
- Einleitung Kein Zugriff Seiten 31 - 36
- 1.1.1 Vom Rand ins Zentrum: das WBS in der akademischen nature‐nurture‐Debatte Kein Zugriff
- 1.1.2 Zu den historischen Wurzeln: Erstbeschreibungen und ‐bewertungen Kein Zugriff
- 1.1.3 Zu biomedizinischen und genetischen Erkenntnissen über das WBS Kein Zugriff
- 1.1.4.1 Strukturelle Abweichungen Kein Zugriff
- 1.1.4.2 Funktionelle Abweichungen Kein Zugriff
- 1.1.5 Zu weiteren klinischen und lebenspraktischen Erkenntnissen Kein Zugriff
- 1.1.6.1 Sprache und Sprachentwicklung Kein Zugriff
- 1.1.6.2 Wahrnehmung und (Denk‐) Bewegungen im (konkreten und symbolischen) Raum Kein Zugriff
- 1.1.6.3 Logisch‐abstraktes Denken und mathematische Fähigkeiten Kein Zugriff
- 1.1.6.4 Soziale Fähigkeiten und Ängste Kein Zugriff
- 1.1.6.5 Musikalische Fähigkeiten und auditive Hypersensibilität Kein Zugriff
- 1.2.1 Das fehlende Subjekt und Wissen ohne Erklärungsgehalt: Widersprüche zwischen Wissenschaft und Praxis Kein Zugriff
- 1.2.2.1 Erste Phase in der Entwicklung allgemeiner Theorien Kein Zugriff
- 1.2.2.2 Zweite Phase in der Entwicklung allgemeiner Theorien Kein Zugriff
- 1.2.2.3 Zum Problem des Reduktionismus und anderer vermeidbarer Fehler beim Aufbau von Erklärungswissen Kein Zugriff
- 1.2.2.4 Überwindung des Dualismus durch Suche nach Zellen bzw. elementaren Einheiten Kein Zugriff
- 1.2.3.1 Fixierung auf angeborene Module als Grundeinheiten des Psychischen Kein Zugriff
- 1.2.3.2 Zu einer Sozialbiologie, die biologistischer ist, als die Biologie erlaubt Kein Zugriff
- 1.2.3.3 Das Problem der Vergleichsgruppen und der Laborsprache Kein Zugriff
- 1.2.3.4 Die fehlende Berücksichtigung der Repräsentationsniveaus Kein Zugriff
- 1.3 Zusammenfassung und Konsequenzen für meinen Forschungsansatz Kein Zugriff
- 2.1.1 Generierung von Raum‐Zeit‐Strukturen als Voraussetzung des Lebens Kein Zugriff
- 2.1.2 Funktionelle Systeme als elementare Einheiten psycho‐physiologischer Prozesse Kein Zugriff
- 2.2.1 Historie und kritische Bemerkungen zur Wirkgeschichte Kein Zugriff
- 2.2.2 Grundannahmen der kulturhistorischen Psychologie Kein Zugriff
- 2.2.3 Elementare Einheiten psychischer Prozesse Kein Zugriff
- 2.2.4 Raum‐Zeit‐Modell psychischer Prozesse nach LEONT’EV Kein Zugriff
- 2.2.5 Raum‐Zeit‐Organisation des Gehirns nach LURIJA Kein Zugriff
- 2.3.1 Phylo‐ und ontogenetische Aspekte der Sprach‐ und Denkentwicklung Kein Zugriff
- 2.3.2 Paradigmatische und syntagmatische Sprachorganisation Kein Zugriff
- 2.3.3 Ereignis‐ und Relationskommunikation Kein Zugriff
- 2.3.4.1 Zur psychischen Struktur des Sprechprozesses und den verschiedenen Etappender Entfaltung einer sprachlichen Äußerung Kein Zugriff
- 2.3.4.2 Paradigmatische und syntagmatische Sprachrealisierung am Raum‐ und Zeit‐Pol des Gehirns Kein Zugriff
- 2.3.5 Ergänzende und zusammenfassende Überlegungen: Sprache als Medium der Bewegungen im Bewusstsein Kein Zugriff
- 2.4.1.1 Was ist ein Syndrom? Kein Zugriff
- 2.4.1.2 Syndrome als funktionelle Systeme Kein Zugriff
- 2.4.1.3 Genetische Syndrome Kein Zugriff
- 2.4.2.1 Syndromanalyse nach LURIJA Kein Zugriff
- 2.4.2.2 Entwicklungsdiagnostik nach VYGOTSKIJ Kein Zugriff
- 2.4.3.1 Zur Differenz von geistiger Behinderung und geistiger Unterentwicklung Kein Zugriff
- 2.4.3.2 Isolation (Pathogenese) und Partizipation (Salutogenese) Kein Zugriff
- 3.1.1.1 Zur peripheren und zerebralen Organisation der visuellen Wahrnehmungsprozesse nach LURIJA Kein Zugriff
- 3.1.1.2 Visuelle Peripherie und WBS (Retina, Okularmotorik) Kein Zugriff
- 3.1.1.3 Primäre visuelle Felder und WBS Kein Zugriff
- 3.1.1.4 Sekundäre visuelle Felder und WBS Kein Zugriff
- 3.1.1.5 Tertiäre (visuelle) Felder und WBS Kein Zugriff
- 3.1.2.1 Zur peripheren und zerebralen Organisation der auditiven und sprachlichen Wahrnehmungsprozesse nach Lurija Kein Zugriff
- 3.1.2.2 Peripherie und primäre auditive Felder unter den Bedingungen des WBS Kein Zugriff
- 3.1.2.3 Sekundäre auditive Felder (oberes Temporalgebiet) und WBS – zum phonemischen Codesystem Kein Zugriff
- 3.1.2.4 Extranukleare auditive Felder (mittleres Temporalgebiet) und WBS – zum phonologischen Kurzzeitgedächtnis Kein Zugriff
- 3.1.2.5.1 Zum lexikalisch‐semantischen Codesystem Kein Zugriff
- 3.1.2.5.2 Zum logisch‐grammatischen Codesystem Kein Zugriff
- 3.2.1.1 Die (senso‐)motorischen Rindenabschnitte und syntagmatische Sprachorganisation Kein Zugriff
- 3.2.1.2 Zu den präfrontalen Rindenabschnitten Kein Zugriff
- 3.3.1 Vorbemerkungen zur psychischen Struktur von Denkprozessen Kein Zugriff
- 3.3.2 Schwierigkeiten im konkret‐gegenständlichen Raum und beim praktisch‐konstruktiven Denken Kein Zugriff
- 3.3.3.1 Zum widersprüchlichen Gebrauch von Begriffen Kein Zugriff
- 3.3.3.2 Zur widersprüchlichen Kommunikationsstruktur Kein Zugriff
- 3.3.3.3 Zu Problemen beim diskursiven Denken und zur Erhaltungsfunktion Kein Zugriff
- 3.3.3.4 Lösung von Rechenaufgaben/Logisch‐mathematisches Denken Kein Zugriff
- 4.1.1 Zur vorgeburtlichen Entwicklung bei typisch entwickelten Feten und Embryos Kein Zugriff
- 4.1.2 Zur vorgeburtlichen Entwicklung unter den Bedingungen des WBS Kein Zugriff
- 4.2.1.1 Das Neugeborenenalter – die ersten zwei Monate und der Übergang zur primären Intersubjektivität Kein Zugriff
- 4.2.1.2 Das Säuglingsalter – dritter bis neunter Monat Kein Zugriff
- 4.2.2.1 Datenmaterial zu den ersten Lebensmonaten Kein Zugriff
- 4.2.2.2 Zum Neugeborenenalter Kein Zugriff
- 4.2.2.3 Zum Säuglingsalter: Basale psychomotorische und visuell‐räumliche Störungen und Probleme beim Aufbau der visuellen Felder Kein Zugriff
- 4.3.1.1 Zum Übergang zur sekundären Intersubjektivität der Herausbildung des 1.Rpn. des Selbst (Neunmonatsrevolution) Kein Zugriff
- 4.3.1.2 Zum Übergang zur tertiären Intersubjektivität und der Herausbildung des 2.(symbolisch‐ereignisbezogenen) Rpn des Selbst (1,5 bis 5 Jahre) Kein Zugriff
- 4.3.2.1 Verzögerungen in der (psycho‐)motorischen und kognitiven Entwicklung im Kleinkindalter Kein Zugriff
- 4.3.2.2 Auffälligkeiten beim Sprachaufbau und Gebrauch Kein Zugriff
- 4.3.2.3 Auffälligkeiten bei der geteilten Aufmerksamkeit und beim Gesteneinsatz –veränderte Motivstrukturen zur Erklärung des Sozialverhaltens Kein Zugriff
- 4.3.2.4 Probleme beim Aufbau der ToM Kein Zugriff
- 4.4.1 Zur sozialen Entwicklungssituation von typisch entwickelten Kindern Kein Zugriff
- 4.4.2.1 Zur Denk‐ und Sprachentwicklung Kein Zugriff
- 4.4.2.2 Zur Entwicklung des Kommunikationsverhaltens Kein Zugriff
- 4.4.2.3 Zur Kompensation des gestörten konkreten Raums durch zeitlich‐dynamische Prozesse (Sprache und Denken) Kein Zugriff
- 5.1 Zum Verhältnis von Schädigung und Kompensationsmöglichkeiten Kein Zugriff
- 5.2 Ausblick Kein Zugriff
- Literatur Kein Zugriff Seiten 445 - 500





