
Bergson-Effekte
Aversionen und Attraktionen im französischen soziologischen Denken- Autor:innen:
- Verlag:
- 2015
Zusammenfassung
Welche Spuren hat Henri Bergson im französischen soziologischen Denken hinterlassen, was sind die sozial- und gesellschaftstheoretischen Effekte jenes Autors, dessen Bedeutung für das französische Denken generell kaum zu überschätzen ist?
Die – oft impliziten, zuweilen auch absichtlich verdeckten – Bergson-Effekte im französischen soziologischen Denken werden entlang zweier konträrer Spuren aufgedeckt: Einerseits in den Aversionen gegen das (zunächst schlecht verstandene) bergsonsche Denken.
Diese Aversionen waren konstitutiv, in ihnen hat sich thematisch und methodologisch die Bildung der französischen Soziologie ereignet. Andererseits werden die Attraktionen, die produktiven Übernahmen von Bergsons Denken in soziologischen Konzepten verfolgt, bei Autoren wie Gilles Deleuze, Cornelius Castoriadis, Gilbert Simondon oder Georges
Canguilhem. Dabei erweist sich auch Bergsons Werk selbst als eines, das nicht nur philosophisch, sondern auch soziologisch neue Denkweisen bietet.
Dieses Buch öffnet ein bislang ungeschriebenes Kapitel der Soziologiegeschichte – und ein neues Register soziologischer Theorie. Es entfaltet im Durchgang durch die bergsonianischen Werke ein diskretes Paradigma: eine lebenssoziologische Denkweise. Diese verbindet eine singuläre Theorie der Differenz (als Differentiation, permanentes Anders-Werden) mit einer singulären Perspektive der Immanenz (Körper, Artefakte, Materialität, Affekte und Diskurse, Imaginäres und Symbolisches in ihren Verschränkungen und Eigenlogiken denkend). Sichtbar wird ein Neuer Vitalismus, der das Leben als Subjekt und Objekt des Denkens anerkennt. Wie Bergson sagte, liegt ‚auf dem Grund des Sozialen‘ das Vitale; und daher ist es ‚stets der Aufenthalt, der eine soziologische Erklärung verlangt, und nicht die Bewegung‘.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2015
- ISBN-Print
- 978-3-958-32043-7
- ISBN-Online
- 978-3-8452-7752-3
- Verlag
- Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 540
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/InhaltsverzeichnisSeiten 1 - 10 Download Kapitel (PDF)
- Bergon-Effekte. Aversionen und Attraktionen im französischen soziologischen Denken Seiten 11 - 12 Download Kapitel (PDF)
- Logik des Argumentationsgangs
- Konzentration auf Frankreich
- Methodische Überlegungen: ›Deux à deux‹, Gegensatzpaare
- Forschungsstand zu Bergson in der französischen Soziologie
- Die durkheimsche Wissenssoziologie: Bergson-Kritiken (Die elementaren Formen des religiösen Lebens 1)
- ›Vis-a-vis Bergson‹: Die Pragmatismus-Vorlesung (1913-1914)
- 1914: ›Une confrontation entre bergsonisme et sociologisme: le progrès moral et la dynamique sociale‹
- Institutionelle Konflikte: ›Affären‹ zwischen Bergson und Durkheim
- Trotz allem: Ein durkheimscher Vitalismus? (Die elementaren Formen des religiösen Lebens 2)
- Durkheim, der Anti-Bergson: Der soziale Gebrauch von Bergson im Kampf gegen die Neue Sorbonne
- Bergson-Aversionen im Dreieck Tarde-Bergson-Durkheim
- »Ein Gegner der Freiheit«: Bergson über Durkheim
- Die ›Studie zur Repräsentation der Zeit in der Magie und Religion‹: Die Grundidee
- Von der Zeit der Mythen und Riten zur zeitlichen Strukturierung des Sozialen
- Soziologie der Zeit - statt Denken in der Zeit
- Die allgemeine Soziologie der Zeit: Konventionelle Signaturen (ein ›Protostrukturalismus‹?)
- Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen (1925): Das ›Gesellschaftsgedächtnis‹
- Das kollektive Gedächtnis (1925-1943): ›Die Zeit der Philosophen ist nichts als eine leere Form…‹
- Der Nichtcartesianismus bei Mauss (L’homme total I): Die Symboltheorie
- Der Nichtcartesianismus bei Mauss (L’homme total II): Die Techniktheorie
- Die Reaktion auf Die beiden Quellen der Moral und der Religion (1932)
- Trotz allem eine vitalistische Soziologie? (Die Gabe)
- Weitere Reaktionen auf Bergson und zaghafte Synthesen Bergson-Durkheim-Synthesen
- Der schlecht verstandene Bergson: Der Anti-Bergsonismus (Paul Nizan, Julien Benda, Georges Politzer)
- Bergsonianer wider Willen (Gaston Bachelard und Jean-Paul Sartre)
- Eine vitalistische Theorie der Konventionen (Éugene Dupréel)
- Der recht verstandene Bergson: Neulektüren (Jean Wahl, Jean Hyppolite, Maurice Merleau-Ponty)
- Leben und Werk, Bergson und der Bergsonismus Seiten 165 - 170 Download Kapitel (PDF)
- Der schlecht und der recht verstandene Bergson
- Das Vokabular Bergsons
- Die Methode Bergsons (›Intuition‹)
- Bergsons Grundidee: Der Unterschied von Raum und Zeit (zwei Mannigfaltigkeiten)
- Ontologie/Epistemologie I: Die Theorie der Immanenz
- Epistemologie/Ontologie II: Die Theorie des Anders-Werdens und die Kritik negativer Begriffe
- Die differenzierende Aktualisierung des Virtuellen (Bergsons genealogisches Konzept)
- Die Theorie des Lebens: Differenzierende Aktualisierungen des élan vital
- Die Korrektur des Vitalen im Sozialen: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen (1900)
- Eine vitalistische Gesellschaftstheorie: Die beiden Quellen der Moral und der Religion (1932)
- Die Auseinandersetzung mit der Durkheim-Soziologie: Das negative und das positive Konzept des lien social
- Die geschlossene (instituierte) Gesellschaft
- Die Fabulation: Scharnier zwischen instituierter und instituierender Gesellschaft
- Die sich öffnende (instituierende) Gesellschaft
- Resümee: Immanenz der imaginären Institution im instituierenden Werden; das Neue
- Konzentration auf das frühe Hauptwerk: Évolution et techniques
- Die konzeptionelle Grundidee: die ›Tendenzen‹ der Materie (das Virtuelle) und die soziotechnischen ›Tatsachen‹ (das Aktuelle)
- »Ein Bergsonismus der zweiten Generation…«
- Die methodische Grundidee 1: Folge der Biegung der Erfahrung!
- Die methodische Grundidee 2: Der klassifizierende Blick des Biologen auf die materielle Kultur
- Die Tendenz und die Tatsachen
- Die differente Aktualisierung der Tendenz: die Gesellschaftstypen
- Die kollektive Haltung gegenüber der Tendenz der Materie: Entlehnung, Abwehr, Erfindung
- Durchlässigkeit des soziokulturellen Milieus für die Tendenz, das ›Leben‹ der Materie
- Ein durchaus expliziter Bergsonismus
- Der rehabilitierte Vitalismus: Das Wissen des Lebens (das Leben als Subjekt und Objekt)
- Die inhärente Normativität des Lebens: Der Irrtum und das Erfinden neuer Lösungen
- Kritik der Soziologie: Kritik der Kategorien des ›Pathologischen‹ und ›Normalen‹
- Die ›Sorge‹ Canguilhems: Die ›Brutalisation‹ des Menschen in der positivistischen Soziologie
- Die Gesellschaft: Suche nach den Normen des Lebens
- Exkurs – Von Canguilhem zu Foucault: Die Genealogie der Normierungen im Sozialen
- ›Unbestreitbar ein großer Leser Bergsons‹
- Das Gesamtwerk: Die drei Individuationsbücher
- Die Grundidee: Das Werden anstelle des hylemorphischen Schemas aktive Form/passive Materie
- Humanenergetik statt soziale Morphologie (das soziale Werden anstelle des sozialen Seins)
- Intuition und Individuation als ›Transduktion‹: Die Epistemologie und die Ontologie
- Die aufeinander aufbauenden Individuationsprozesse: Physische, vitale, psychisch-kollektive Individuation
- Ingroup/outgroup (geschlossene/offene Gesellschaft): Affekttheorie der Kollektivbildung
- Die Theorie der Artefakte: Das Leben der technischen Dinge und die Gesellschaftstheorie der Technizität
- Der Techniker als Subjekt der ›wirklichen‹ Sozialität – die Soziologie der Maschinen
- Erinnerungen eines Bergsonianers
- Bergsonsche Schneisen durch das Werk von Deleuze
- Philosophie der Differenz – Monismus der Pluralitäten – Aktuelles und Virtuelles
- Die multiple Realität des Virtuellen und des Aktuellen (statt Vergangenheit/Gegenwart) – Différent/ciation
- Die Immanenz von Subjekt und Welt – die bergsonsche Affekttheorie des Sozialen, Arten des ›Werdens‹
- Die Artefakt- und Affekttheorie des Sozialen: ›Gefüge‹
- Vom ›Nomos‹ des Materials zur Universalgeschichte
- Mikro- und Makrosoziologie, exemplarisch: Nomadische vs. sesshafte Gesellschaften
- ›Erst spät habe ich dem Denken Bergsons Ehre erwiesen‹
- Der Totemismus von Innen: ein System differentieller Klassifikation
- Konkretes und Abstraktes, Kontinuierliches und Diskontinuierliches (der totemistische Operator)
- Die Seinsweise der ›Struktur‹: differenzierende Aktualisierung des Virtuellen
- Die strukturale Analyse: Gesellschaftsvergleich ohne Evolutionismus und Ahistorismus
- Diachronie und Synchronie: Das Werden und die Struktur
- Natur und Kultur, Vitales und Soziales – die Emergenz des Sozialen im Vitalen
- Ein indirekter Bergsonismus
- Das Problem des ›primitiven Krieges‹: Kritik der Anthropologie und Soziologie
- Kritik des Ethnozentrismus und seines Evolutionismus
- Eine ›Gesellschaft gegen den Staat‹ 1: Das indianische Häuptlingstum (Integration nach innen)
- Die ›Gesellschaft gegen den Staat‹ 2: Die Funktionen des Krieges (Die Logik der Fliehkraft)
- Kritik an negativen Begriffen, das Virtuelle und das Aktuelle
- Unser Lachen ist das Lachen einer Gruppe – und worüber lachen die Indianer?
- Ein tiefer und tief verleugneter Bergsonismus
- Was ist eine Gesellschaft?
- Die gesellschaftliche Zeit: das Auftauchen, das Neue, die Schöpfung
- Das radikale und das aktuale Imaginäre
- Das zentrale Imaginäre (heteronome und autonome Gesellschaft)
- Das Symbolische 1: Ordnung der Koexistenz und der Sukzession
- Das Symbolische 2: Legein und teukein, die Diskurse und die Artefakte
- Das Reale – oder das Vitale
- Das Verbot und die Übertretung
- Lascaux – die Erfindung der Kunst und die Selbsterfindung des Menschen
- Der verfemte Teil: Eine vitalistische Gesellschaftstheorie
- Implizite Aversionen
- Explixite Aversionen und marginale Affinitäten
- Die Ausgangsidee: Die Differenz von Raum und Zeit (durée) als Differenz zweier Mannigfaltigkeiten
- Die Kritik negativer Begriffe als Kritik der Identitätslogik
- Die Theorie der Differenz: ein erster Aspekt des soziologischen Bergsonismus
- Die Theorie der Immanenz: ein zweiter Aspekt des soziologischen Bergsonismus
- Instituierte (natura naturata, Kultur) und instituierende Gesellschaft (natura naturans, Leben): die Gesellschaftstheorie Bergsons
- Vitalismus als Selbstbeobachtung des Lebens: ein dritter Aspekt des Bergsonismus
- Die Sozialtheorie: Bestimmung des ›Sozius‹ zwischen Materiellem, Vitalem, Affektivem, Imaginärem
- Die Gesellschaftstheorie: das Werden von Individuum- Kollektiv und die Theorie sozialer Erfindungen
- Die Gesellschaftsanalyse: Differenzierende Aktualisierung; durchgängige Positivität der Gesellschaften
- Die Werte des Lebens im Sozialen: Die normative Dimension des Paradigmas
- Ein alternatives Bezugsproblem der soziologischen Theorie
- Grenzen und Unvollkommenheiten der geleisteten Arbeit
- Dank Seiten 488 - 489 Download Kapitel (PDF)
- Literaturverzeichnis Seiten 490 - 524 Download Kapitel (PDF)
- Autorenindex Seiten 525 - 527 Download Kapitel (PDF)
- Sachindex Seiten 528 - 540 Download Kapitel (PDF)




