
Reflektierte Gegenwart
Eine Studie über Zeit und Ewigkeit bei Platon, Aristoteles, Plotin und Augustinus- Autor:innen:
- Reihe:
- Klostermann Rote Reihe, Band 84
- Verlag:
- 2016
Zusammenfassung
In der Zeittheorie des 20. Jahrhunderts stehen sich zwei Traditionen gegenüber, ohne voneinander mehr Notiz zu nehmen, als für eine Abwehr erforderlich scheint. Während die modalen Bestimmungen des subjektiven Zeiterlebens (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) von der Phänomenologie als grundlegend aufgefasst werden, orientiert sich die analytische Philosophie weitgehend an den relationalen Bestimmungen der objektiven Zeitmessung (früher, gleichzeitig, später). Häufig kommt es sogar zu gegenläufigen Reduktionsversuchen. Vor diesem Hintergrund verdient die antike Zeittheorie, die sich noch nicht aus dem Gegensatz von Subjektivität und Objektivität versteht, ein philosophisches Interesse, das über historische Motive hinausgeht. Diese Studie widmet sich dem skizzierten Vermittlungsproblem, indem sie die wichtigsten Zeittheorien der Antike untersucht, vergleicht und bewertet. Den größten Raum beansprucht Platon. Um seine umstrittene Bestimmung der Zeit als zahlhaft bewegtes Abbild der Ewigkeit ("Timaios") zum Sprechen zu bringen, wird sie eingehend interpretiert und kontextualisiert ("Theaitetos", "Sophistes", "Parmenides"). Dabei sind sowohl antike wie moderne Alternativen mit im Blick. Auf diese Weise lässt sich Platons Vermittlung von bewegter Erlebniszeit und gemessener Naturzeit durch eine reflektierte Gegenwart herausarbeiten, die über verschiedene Reflexionsstufen bis zur Ewigkeit und ihrer ontologischen Fundierung führt. Umgekehrt kann die Ewigkeit als zeittranszendierende Vollzugsform der Ideendialektik verständlich gemacht werden. Ein Rückgriff auf Plotin (Enneade III, 7) erlaubt, Platons philosophischen Ewigkeitsbegriff zu präzisieren und von seiner theologischen Wirkungsgeschichte abzuheben, ohne Differenzen von Platonismus und Neuplatonismus zu verwischen. Schließlich wird der erreichte Diskussionsstand anhand von Augustinus (Confessiones XI) und Aristoteles (Physik IV, Metaphysik XII) ausgebaut und gegen moderne Reduktionismen verteidigt. Wie sich zeigt, stehen beide Autoren Platon näher, als ihre Inanspruchnahme als Wegbereiter eines phänomenologischen bzw. analytischen Zeitverständnisses suggeriert.
Schlagworte
Publikation durchsuchen
Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2016
- ISBN-Print
- 978-3-465-04283-9
- ISBN-Online
- 978-3-465-14283-6
- Verlag
- Klostermann, Frankfurt am Main
- Reihe
- Klostermann Rote Reihe
- Band
- 84
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 430
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 6
- Einleitung Kein Zugriff Seiten 7 - 22
- Kap. I: Sein und Zeit bei Platon. Aspekte einer Kontroverse Kein Zugriff Seiten 23 - 36
- 1. Die moderne Resonanz einer aristotelischen Kritik Kein Zugriff
- 2. Sinn und Unsinn der Metapher vom Fluss der Zeit Kein Zugriff
- 3. Flussmetaphern und bewegte Zeit bei Platon Kein Zugriff
- 1. Aristoteles und das platonische Verständnis von Zeit, Zahl und Bewegung Kein Zugriff
- 2. Gemessene Zeit bei Bergson, Husserl und Heidegger Kein Zugriff
- 3. Planetenbewegung und gemessene Zeit bei Platon Kein Zugriff
- 1. Der Zusammenhang von bewegter und gemessener Zeit als reflektierte Gegenwart Kein Zugriff
- 2. Dialektische Bilderkritik und bildliche Kosmologie Kein Zugriff
- 3. Die ontologische Bedeutung der Zeit und das Entstandensein des Kosmos Kein Zugriff
- 1. Von den Sophistendialogen zum "Sophistes" Kein Zugriff
- 2. Plotins Schrift "Über Ewigkeit und Zeit" Kein Zugriff
- 3. Die platonische Ontologie und die Brechung des "Parmenides" Kein Zugriff
- 1. Das XI. Buch der "Confessiones" Kein Zugriff
- 2. Augustinische Zeitaporie und platonische Ewigkeit Kein Zugriff
- 3. Zum theoriegeschichtlichen Ort des augustinischen Zeitbegriffs Kein Zugriff
- 1. Ewigkeit bei Aristoteles. Zum Kontext des Zeittraktats der "Physik" Kein Zugriff
- 2. Aristotelische Zeitaporie und Kontinuität Kein Zugriff
- 3. Die Auflösung der Aporie Kein Zugriff
- Schluss: Reflektierte Gegenwart und antike Zeittheorie Kein Zugriff Seiten 386 - 394
- Literaturverzeichnis Kein Zugriff Seiten 395 - 416
- Personenregister Kein Zugriff Seiten 417 - 422
- Sachregister Kein Zugriff Seiten 423 - 430




