
Aufgedrängte Natürlichkeit
Zur Bedeutung von leiblicher Abstammung und Geschlecht im Recht der Eltern-Kind-Zuordnung- Autor:innen:
- Reihe:
- Schriften zur Gleichstellung, Band 58
- Verlag:
- 2025
Zusammenfassung
Die vorliegende umfassende Analyse des Abstammungsrechts eröffnet neue Perspektiven auf die leibliche Abstammung und das Geschlecht im Recht der Eltern-Kind-Zuordnung. In einer Zusammenschau der familienrechtlichen, personenstandsrechtlichen und verfassungsrechtlichen Grundlagen werden dogmatische Inkonsistenzen und Diskriminierungsprobleme im aktuellen Abstammungsrecht herausgestellt. Diese zeigen sich insbesondere in Verleiblichungstendenzen in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts als auch in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu queeren Familien. Die Autorin plädiert für eine Rekonzeptualisierung der rechtlichen Eltern-Kind-Zuordnung als Status der Fürsorge.Lucy Chebout ist Fachanwältin für Familienrecht und Richterin des Verfassungsgerichtshofs des Landes Berlin.Der Titel wird mit Erscheinen auch Open Access zur Verfügung stehen.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2025
- ISBN-Print
- 978-3-7560-3372-0
- ISBN-Online
- 978-3-7489-6335-6
- Verlag
- Nomos, Baden-Baden
- Reihe
- Schriften zur Gleichstellung
- Band
- 58
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 354
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- I. Problemstellung
- 1. Leibliche Abstammung
- 2. Geschlecht
- III. Einordnung der Perspektive
- I. Grund- und menschenrechtliche Rahmungen
- a) Regelungstechnik ohne inhaltliche Vorgaben
- b) Status, nicht Realbeziehung
- aa) Statusklarheit und Statusgeneralität
- bb) Statusstabilität
- cc) Publizität im Personenstandsregister
- a) Mutterschaft
- b) Vaterschaft
- a) Vaterschaftsanfechtung
- b) Vaterschaftsfeststellung
- c) Adoption
- 4. Rechtsfolgen der Eltern-Kind-Zuordnung
- a) Verhältnisbestimmung von Status und Personenstand
- b) Wirkung der personenstandsrechtlichen Eintragung im Statusrecht
- c) Doppelte Grundrechtsrelevanz
- III. Lücken im Recht der Eltern-Kind-Zuordnung
- 1. Primat der leiblichen Abstammung
- 2. Statuswahrheit
- 3. Zwischenfazit
- aa) Mutterschaft qua Geburt
- (1) Rechtliche Vaterschaft im BGB von 1900
- (2) Diskussion zum leiblichen Vater im Parlamentarischen Rat
- b) Erweiterung durch einfach-gesetzliche Änderungen
- aa) Ausgangsfallkonstellation
- bb) Kontextualisierung
- cc) Der Bundesgerichtshof als Wegbereiter
- dd) Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 1989
- ee) Kritische Würdigung
- b) Die Entkoppelung der Kenntnis vom Status
- aa) Keine Auskunftspflicht der Mutter
- (1) Ausgangsfallkonstellation
- (2) Die Entscheidung
- cc) Kritische Würdigung
- d) Gesetzgeberische Konsequenzen
- aa) Ausgangsfallkonstellationen
- (1) Schutzbereichserweiterung
- (2) Verfassungsrechtliche Vorgaben für den Gesetzgeber
- aa) Neuregelung des Anfechtungsrechts
- bb) Verfassungsrechtliche Folgefragen leiblicher Väter
- cc) Sang- und klanglose Obersatzänderung
- aa) Ausgangsfallkonstellation
- (1) Die Geschlechtsverkehr-Formel
- (2) Die Elternverantwortung als natürliche Folge der leiblichen Vaterschaft
- (3) Zwei statusrechtliche Väter als Option
- d) Verhältnis zur Rechtsprechung des EGMR
- 1. Das eigentliche Konkurrenzpotential leiblicher Mutterschaften
- 2. Folgeprobleme der Entkoppelung von status- und verfassungsrechtlicher Elternschaft
- IV. Zwischenfazit
- a) Pluralisiertes Konfliktpotential durch Erweiterung der Grundrechtsträgerschaft
- b) Aushöhlung des Elternrechts durch Delegation an die Familiengerichte
- a) Maßstäbe aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts
- aa) Gesetzgeberische Gestaltungsspielräume
- bb) Wirkmacht von Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG
- a) Kein Anspruch auf rechtliche Absicherung sozialer Elternschaft
- b) Verstärkung für das akzessorische Elternrecht
- c) Verstärkung für das leibliche Elternrecht
- 2. Diskrepanzen
- 1. Gründe für die leibliche Abstammung als Indiz der Elternverantwortung
- aa) Kurzer Abriss zur Entwicklung von Genverständnissen
- bb) Verarbeitungsstau im Recht
- cc) Postgenomische Zeiten und ihre Bedeutung für das Abstammungsrecht
- aa) Kontextualisierung von Erkenntnisquellen: Adoptionsforschung
- bb) Kaum Erkenntnisse über Spende- und Waisenkinder
- cc) Kein zwingender Konnex von Genen und Persönlichkeitsentwicklung
- a) Elternliebe als Konstrukt
- b) Der Gender Care Gap
- c) Keimzellspende und der Wille, keine Elternverantwortung zu tragen
- IV. Rekonzeptualisierung: Die rechtliche Eltern-Kind-Zuordnung als Status der Fürsorge
- 1. Das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht
- a) Transsexuellengesetz (TSG)
- b) „Dritte Option“ nach § 45b PStG
- c) Selbstbestimmungsgesetz – SBGG
- a) Rechtsprechung zur eingetragenen Lebenspartnerin der Mutter
- aa) Keine Anwendung des § 1592 Nr. 1 BGB für die Ehefrau der Mutter
- bb) Keine konventions- oder grundrechtlichen Bedenken
- aa) Zum Argument der fehlenden Abstammungsvermutung
- (1) Strukturmerkmale des verfassungsrechtlichen Ehebegriffs
- (2) Die Ehe als idealer Rahmen der Elternverantwortung
- (a) Einheitliche Statusfolgen mit genereller Wirkung
- (b) Ziel des Status: Absicherung
- cc) Trivialisierung des Familiengrundrechts
- (1) Risiken aus Sicht des Kindes
- (2) Diskriminierungsgefahren im Adoptionsverfahren
- d) Exkurs: Keine Mit-Mutterschaft der Eizellspenderin
- aa) Verfahrensgang
- bb) Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs 2014
- aa) Fallkonstellation und Verfahrensgang
- bb) Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs 2013
- (1) Kein Anfechtungsrecht des Samenspenders
- (2) Verbot der Leihmutterschaft
- bb) Privilegierte leibliche Vaterschaft im Kontext queerer Elternschaft
- aa) Grundrechte des Kindes
- bb) Keine Verletzung von Art. 3 Abs. 3 GG
- b) Weitere Rechtsprechung
- aa) Missachtung der Geschlechtsidentität
- bb) Missachtung des Statusprinzips
- a) Uneinheitliche Familienrechtsdogmatik
- (1) Staatliche Gewährleistung elterlicher Pflege und Erziehung
- (2) Recht auf Kenntnis der Abstammung
- (3) Fehlende Gleichheitsperspektive
- bb) Grundrechte der Eltern
- I. Vergeschlechtlichte Ungleichheiten im Abstammungsrecht
- a) Verhältnis von Art. 3 Abs. 2 und Abs. 3 GG
- b) Schutz von trans, inter und nichtbinären Personen
- c) Sexuelle Orientierung als Dimension von Geschlecht
- 2. Abstammung als Diskriminierungsmerkmal
- 3. Unmittelbare und mittelbare Diskriminierung
- 4. Rechtfertigungsmaßstab
- 1. Anwendbarkeit von Art. 3 Abs. 3 GG
- a) Historische Zeugungsmythen, die fortwirken
- aa) Schwangerschaft und Geburt als singuläre Fortpflanzungsfunktion
- bb) Die Zeugung
- c) Natürlich ungleiche Keimzellen
- d) Zwischenfazit
- a) Historisch wandelbarer biologischer Geschlechtsbegriff
- b) Komplexität des „natürlichen“ Geschlechts
- c) Keine natürliche Verschränkung von Geschlecht und Fortpflanzungsfunktion
- d) Zwischenfazit
- 4. Fazit
- 1. Geburt als Zuweisungskriterium für den ersten Elternteil
- a) Die „Abstammungsvermutung“ als unzulässige Typisierung
- b) Kein Gleichstellungsgebot für Männer
- c) Ergebnis
- 3. Anknüpfung an den Beitrag der Samenzelle
- a) Kein Recht des Kindes auf Kenntnis der Fortpflanzungsfunktion
- b) Mutterschutzregeln erfordern keine Statusmutterschaft
- c) Keine anderweitigen kollidierenden Verfassungsgüter
- d) Ergebnis
- V. Ausblick: Materielle Gleichheit im Familienrecht
- I. Mumifiziertes Patriarchat im Familienrecht
- a) Anknüpfen an Schwangerschaft als Fürsorge
- b) Voluntative Zuordnung eines zweiten Elternteils
- 2. Sekundäre Korrekturmöglichkeiten
- 3. Registerebene
- G. LiteraturverzeichnisSeiten 333 - 354 Download Kapitel (PDF)




