
Erkennen als antwortendes Gestalten
Oder: Wie baut sich vor unseren Augen die Welt der Gegenstände auf?- Autor:innen:
- Verlag:
- 2016
Zusammenfassung
Kant hat die Frage nach den Bedingungen gestellt, die es möglich machen, dass uns überhaupt etwas als Gegenstand gegenübertritt. Seine Antwort auf die so verstandene „transzendentale Frage“ lautet, dass die Formen unseres Anschauens und Denkens den Gegenständen ihre Gesetze vorschreiben.
Richard Schaeffler versucht, die Einseitigkeit der kantischen Rede von einer „Gesetzgebung“ des Subjekts über die Gegenstandswelt zu überwinden und das Verhältnis zwischen dem Subjekt und seinen Gegenständen als ein dialogisches Verhältnis zu beschreiben. Er zeichnet den antwortenden Charakter unseres Erkennens Schritt für Schritt auf allen Stufen des Erkennens nach: in den Akten der Wahrnehmung, ohne die alle Formen der Begriffsbildung inhaltslos bleiben, in den Akten des Begreifens, durch die wir unsere subjektiven Eindrücke erst in objektiv gültige Erkenntnisse verwandeln, und schließlich in der Beschreibung des Vorgangs, in welchem sich der Gegenstand all unseren Gestaltungsversuchen immer wieder „entgegenwirft“ und so erst zum „Objectum“ und zum Maßstab unserer Selbstbeurteilung werden kann.
Diese dialogische Betrachtungsweise macht die Widersprüche deutlich, in die die Vernunft sich verwickelt, wenn sie sich einseitig als „Gesetzgeberin“ versteht. Aus diesen Widersprüchen kann sie sich befreien, indem sie die Impulse zum antwortenden Gestalten wie auch die Ergebnisse ihres Gestaltens als Entsprechungen einer göttlichen Gesetzgebung versteht.
Schlagworte
Publikation durchsuchen
Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2016
- ISBN-Print
- 978-3-495-48630-6
- ISBN-Online
- 978-3-495-86055-7
- Verlag
- Karl Alber, Baden-Baden
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 184
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/InhaltsverzeichnisSeiten 1 - 10 Download Kapitel (PDF)
- 1. Eine Erläuterung der gestellten Frage
- 2. Zur Eigenart der transzendentalphilosophischen Fragestellung
- 3. Drei vorbereitende Schritte
- a) Eine persönliche Vorbemerkung zur Formulierung des Themas: Eine Beobachtung, die mich beeindruckt hat
- b) Der »philosophische Hintergrund« meines Interesses am Gespräch mit den Künstlern
- c) Weiterführende Reflexionen
- d) Eine zweifache Selbstgefährdung unseres Anschauens und Denkens
- e) Ein neues Verständnis von »Dialektik«
- f) Thesen und weiterführende Fragen
- 1. Eine erste Annäherung an das Problem: Ein neuzeitliches Verständnis der Anschauung von Raum und Zeit – und erste Zweifel an seiner Angemessenheit
- a) Die Gestaltungskraft der Sinne
- α) Die Raum-Anschauung
- β) Die Zeit-Anschauung
- γ) Die besondere Bedeutung des »inneren Sinns«
- c) Die »je größere Wahrheit« und die Wahrnehmung als Phase im Dialog
- 3. Das dialektische Verhältnis der Wahrnehmung zum Gegenstand
- a) Das ethische Wahrnehmen
- b) Das ästhetische Wahrnehmen
- c) Der geschulte Blick des Forschers
- d) Die religiöse Wahrnehmung und die »Öffnung des Auges«
- a) Eine methodisch wichtige Unterscheidung: Religiöse Wahrnehmung ist nicht »Gotteswahrnehmung«
- b) Die religiös wahrgenommene Welt: ein Ensemble von Bildern des Heiligen
- c) Der Gottesdienst als Schule der religiösen Wahrnehmung
- d) Was die religiöse Wahrnehmung als »Grenzfall« lehren kann
- a) Einige Beispiele aus der Geschichte des Begriffs »Logik«
- b) Folgerungen für eine Weiterentwicklung der transzendentalen Logik
- 2. Das Wahrgenommene als Text und das Begreifen als seine kritische Auslegung
- a) Anschauungsformen und Ideen – Übereinstimmung, Differenz und hermeneutische Beziehung
- b) Die bleibende Bedeutung der Wahrnehmung, die Vielgestaltigkeit der Vernunftideen und ihr dialektisches Verhältnis untereinander
- a) »Substanz« und »Kausalität« – zwei korrelative Begriffe
- b) Die Begriffe »Substanz« und »Kausalität« und die wahrgenommenen Raum- und Zeitgestalten
- αα) Zwei Weisen des Verständnisses von »Möglichkeit«
- ββ) Der Begriff der »Kontingenz«
- β) Die Kategorien der Quantität: Einheit, Vielheit, Allheit
- γ) Ein Ausblick auf die Kategorien der Qualität: Bejahung, Verneinung, Abgrenzung
- a) Der Begriff der »innerweltlichen Substanz« – ein widersprüchlicher Begriff?
- b) Der Begriff der »kreatürlichen Freiheit« – ein Widerspruch in sich?
- α) Kants Lehre vom des »empirischen Charakter« und seine Bedeutung für das Verständnis endlicher Substanzen
- β) Kants Lehre vom »intelligiblen Charakter« und seine Bedeutung für das Verständnis der Freiheit endlicher Wesen
- γ) Unzulänglichkeiten des kantischen Lösungsversuchs und die Frage nach seiner möglichen Weiterentwicklung
- a) Zum Begriff des »empirischen Charakters« und zu seinem Zusammenhang mit den Begriffen »Substanz« und »Kausalität«
- b) Der »Charakter« und seine sinnenhafte Erscheinungsgestalt
- c) Das wahrgenommene Antlitz des Anderen als Beispiel für das Wahrnehmen als responsorisches Gestalten und für die kritische Auslegung der Wahrnehmung durch Begriffe
- d) Der Charakter – Prinzip der Lebensgeschichte und zugleich ihr Produkt
- e) Die »lebendige Substanz« ist fähig, eine Geschichte zu haben. – Zugleich eine Antwort auf die Frage, ob ein endliches Wesen »Substanz« sein könne
- f) Das »Leben« der Substanz als ihre Fähigkeit zu »antwortender Selbst- und Umweltgestaltung«
- g) Eine veränderte Bestimmung des Verhältnisses von »Charakter«, »Freiheit« und »Geschichte« – zugleich eine Antwort auf die Frage: Wie sind freie Handlungen inmitten der Zeit möglich?
- a) Die Dialektik des Begreifens und die »Emergenz« des begriffenen Gegenstands
- b) Die »Emergenz« des Gegenstandes und der »Perspektivenwechsel« des Begreifens
- a) Die Ideen der Vernunft und die vielfältigen Aufgaben, die sie dem Begreifen stellen
- α) »Kausalität« und »Substanz« im unterschiedlichen Kontext der wissenschaftlichen Empirie bzw. der ästhetischen Erfahrung
- β) »Kausalität« und »Substanz« im Kontext der sittlichen bzw. der religiösen Welt
- γ) Beispiele, die erläutern können, was mit »Vergegenwärtigung« gemeint ist
- c) Die Vielgestaltigkeit der Verstandeskategorien,
- a) Platons Dialektikverständnis
- b) Dialektik bei den mittelalterlichen Aristotelikern
- c) Kants Dialektikverständnis
- d) Hegels Dialektikverständnis
- a) Der leitende Gesichtspunkt des Vergleichs von »Sein« und »Erscheinen«
- b) Sein und Erscheinen – Deutungen ihrer Differenz und Beziehung
- c) Weiterführende Fragen und ein neuer Vorschlag
- a) Die Dialektik der Wahrnehmung
- b) Die Dialektik des Begreifens
- c) Die Dialektik der Ideen
- d) Ein Beispiel und was es lehrt
- a) Erster Schritt: Eine Erfahrung: Alles Gegebene verwandelt sich in Aufgegebenes
- b) Eine Frage: Welcher Aufgabe stellt sich die Vernunft?
- c) Zweiter Schritt: Alle Aufgaben der Vernunft zielen auf eine neues Gegebensein der Gegenstände ab
- d) Eine Folgerung: Alles Ordnen und Gestalten dient der Öffnung eines Begegnungsraums, der eine zukunftsoffene Geschichte möglich macht
- e) Dritter Schritt: Das Subjekt ist bei der Erfüllung seiner Aufgaben einer radikalen Selbstgefährdung ausgesetzt, die nur im Lichte des Gottespostulats überwunden werden kann
- f) Das Gottespostulat und seine neue Gestalt
- a) Zur Problemlage
- b) Freiheit, die frei macht – ein transzendentalphilosophischer Gottesbegriff
- c) »Freiheit, die frei macht« – ein religiöser Gottesbegriff
- d) Was kann ein spezifisch philosophischer Begriff leisten, wenn er als Gottesbegriff verwendet wird?
- e) »Et hoc est, quod omnes dicunt Deum« oder: Der Begriff »Freiheit, die frei macht« als Thema des Dialogs zwischen dem Glauben und der Philosophie
- Verzeichnis der zitierten LiteraturSeiten 177 - 180 Download Kapitel (PDF)
- StichwortregisterSeiten 181 - 184 Download Kapitel (PDF)




