
Arbeit an der Erfahrung
Zum deutschen Weg aus der kriegsgesellschaftlichen Moderne 1943–1949- Autor:innen:
- Verlag:
- 2020
Zusammenfassung
Anders als in Frankreich oder England, wo der Erste Weltkrieg die entscheidende Zäsur für die zivilgesellschaftliche Transformation darstellt, ist es in Deutschland der Zweite Weltkrieg, der zu einem grundlegenden Struktur- und Mentalitätswandel führt. Erst an seinem Ende bricht die deutsche Gesellschaft mit den Mobilisierungssystemen des Heroismus und Bellizismus und durch seinen Ausgang beginnt erst die deutsche Gesellschaft, jenes Selbstverständnis zu entwickeln, das uneingeschränkt auf Zivilität, Integration und Kooperation ausgerichtet ist.
Die vorliegende Untersuchung rekonstruiert, wie es der von Kriegs- und Gewalterfahrungen geprägten deutschen Gesellschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelingt, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Das Ende des Zweiten Weltkriegs ist kein statisch fixierter Wendepunkt in der Geschichte des modernen Deutschlands, sondern eine eigenständige Übergangsphase, in der die deutsche Gesellschaft sich sukzessiv von den Erfahrungen des Krieges löst und ihr ziviles Selbstverständnis zu entwickeln beginnt.
Methodisch-konzeptionell operiert die Untersuchung mit einem erweiterten Erfahrungsverständnis, das darin nicht nur das Abbild subjektiver Wirklichkeit sieht, sondern Erfahrung als eine Wissenskategorie behandelt, die sich in Abhängigkeit zu ihrer soziokulturellen Umgebung auch ändern oder anpassen kann. Mit diesem erfahrungstheoretischen Zugriff gelingt es dem Autor aufzuzeigen, dass die Kriegs- und Gewalterfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg weniger verdrängt als vielmehr diskursiv neu gerahmt und auf diesem Weg bewältigt wurden. Das für die kriegsgesellschaftliche Moderne charakteristische Bild von der sakrifiziellen Aufopferung verschwindet hierbei, während sich ein viktimes Sinnsystem zu entwickeln beginnt. Letzteres ermöglicht die narrative Bewältigung der Kriegsgewalt, entzieht dem Krieg aber ebenso die kulturelle Grundlage.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2020
- ISBN-Print
- 978-3-95832-232-5
- ISBN-Online
- 978-3-7489-1187-6
- Verlag
- Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 336
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 6
- Einführung Kein Zugriff Seiten 7 - 24
- Zur Typologie moderner Gesellschaften oder: Was ist eine Kriegsgesellschaft? Kein Zugriff
- Konstitution von Erfahrung: Erfahrung zwischen Subjekt und Struktur Kein Zugriff
- Erfahrung und Zeit: Die temporale Struktur von Erfahrung Kein Zugriff
- Erfahrung, Erzählung, Politik: Die narrative Dimension von Erfahrung Kein Zugriff
- Das Erbe des 19. Jahrhunderts und die Grundlagen der deutschen Militärgesellschaft Kein Zugriff
- Mensch und Material: Die Eskalation kriegerischer Gewalt nach 1914 Kein Zugriff
- Vom Nationenkrieg zum Bürgerkrieg: Das fragmentierte Ende des Ersten Weltkrieges Kein Zugriff
- Die Weimarer Gesellschaft und der Mythos vom Kriegserlebnis Kein Zugriff
- Der systematische Ausbau der Gewaltfähigkeit: Aufrüstung und Mobilisierung nach 1933 Kein Zugriff
- Der Zweite Weltkrieg und die Eskalation der Gewalt Kein Zugriff
- Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen Kein Zugriff
- Eskalation und Zerstörung: Der Erfahrungsbruch des Zweiten Weltkrieges Kein Zugriff
- Auf der Suche nach der verlorenen Erfahrung: Das personale Erzählen vom Vernichtungskrieg Kein Zugriff
- Das Abtrennen der Täter: Vom Nutzen der Kriegsverbrecherprozesse Kein Zugriff
- Von Narrationen zum Narrativ: Die Formierung des kollektiven Opferselbstbildes nach 1945 Kein Zugriff
- Moderne, Gesellschaft und Krieg: Der deutsche Weg Kein Zugriff Seiten 283 - 295
- Literatur Kein Zugriff Seiten 296 - 333
- Danksagung Kein Zugriff Seiten 334 - 336




