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Leben und Macht

Eine radikale Kritik am Naturalismus nach Michel Foucault und Georges Canguilhem
Autor:innen:
Verlag:
 2018

Zusammenfassung

Das Biologische ist, Lévinas zufolge, zum »Herzen des geistigen Lebens« geworden. Davon zeugt sowohl die zunehmende Bedeutung der Biowissenschaften als auch die Verbreitung biologistischer Menschenbilder. Doch liegt der moderne Biologismus mehr noch in einem subtilen Naturalismus, der nicht einfach Geist auf Natur reduziert, sondern in einem naturalistischen Verständnis des Geistes selbst besteht. Einen theoretischen Anschluss für eine Genealogie der heutigen Herrschaft des bloßen Lebens sucht das vorliegende Buch in den Werken von Michel Foucault und Georges Canguilhem. Dabei wird eine doppelte Strategie verfolgt: Der Begriff des Wahnsinns wird zum einen ins Zentrum von Foucaults Werk gerückt und zum anderen in den Begriff eines unendlichen Lebens überführt. Foucaults Philosophie wird so nicht länger einem Theoriestrang zugeordnet, der von Spinoza bis zu Nietzsche reicht, sondern gehört nunmehr einer von letzterem und Hegel gebildeten Konstellation an. Dadurch eröffnet sich eine kritische Perspektive auf das, was Jean Hyppolite als den die bürgerliche Welt kennzeichnenden Zusammenhang von anthropologischem Reduktionismus, modernem Instrumentalismus und dem Vergessen des spekulativen Charakters der Erfahrung erkannt hat. Die Verteidigung eines spekulativen Lebensbegriffs im Anschluss an Georges Canguilhem und die gleichzeitige Wiederaufnahme von Auguste Comtes Gedanken einer Bio- und Soziokratie ermöglichen es darüber hinaus, die von Foucault denunzierte technokratische Verflechtung von Biologie und Politik nicht nur den modernen Wissenschaften, die meinen, den Menschen restlos verobjektivieren zu können, sondern auch dem dominierenden nachmetaphysischen Strang der modernen Philosophie entgegenzuhalten. Denn weder eine Philosophie der Praxis noch eine Philosophie der Gesellschaft vermag es, die den Menschen kennzeichnende Spannung zwischen Natur und Freiheit aufzulösen.


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Bibliographische Angaben

Copyrightjahr
2018
ISBN-Print
978-3-8452-9245-8
ISBN-Online
978-3-8452-9245-8
Verlag
Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
Sprache
Deutsch
Seiten
728
Produkttyp
Monographie

Inhaltsverzeichnis

KapitelSeiten
  1. Titelei/InhaltsverzeichnisSeiten 1 - 12 Download Kapitel (PDF)
  2. Danksagung Seiten 13 - 13 Download Kapitel (PDF)
  3. Download Kapitel (PDF)
    1. Cogito und Leben: an der Wurzel der modernen Bio-Techno-Kratie
    2. Wahnsinn und Leben: anthropologischer Zirkel und Lebenskreis
  4. Download Kapitel (PDF)
      1. Jürgen Habermas: Aporetische Vernunftkritik und Kryptonormativismus
      2. Jacques Derrida: Strukturalistische Internierung der dämonischen Hyperbel des Cogito
      3. Manfred Frank: Darwinistischer Evolutionsbiologismus . . der Diskurse
      4. Gilles Deleuze: Die Immanenz des Lebens als ewige Wiederkehr
      1. Eine Geschichte des Wahnsinns als Archäologie seines Schweigens (Abschnitt I)
      2. An den Pforten der Zeit: Eine Geschichte der Strukturen der Tragik an den Grenzen der Dialektik der Geschichte (Abschnitt II)
      3. Nicht eine Geschichte der Psychiatrie, sondern des Wahnsinns selbst (Abschnitt III)
      4. Eine Geschichte der Bedingungen der Möglichkeit des Wissens: der Geschichte, der Psychologie, der Anthropologie (Abschnitt IV)
      5. Eine Sprache unterhalb der Sprache (Abschnitt V)
      1. Tragik und Dialektik
      2. Wahnsinn und Tragik
      3. Das Vorrecht des Wahnsinns
      4. Metaphysik der paradoxen Tragik
      1. Eine Ursprungskritik im Namen der Ursprungsphilosophie
      2. Jürgen Habermas’ Naturalismus
      3. Jacques Derridas physis en différance
      4. Manfred Frank: Die genealogische Auflösung von Lévi-Strauss’ Vermittlung zwischen physis und nomoi durch den Positivismus der Archäologie
        1. Gilles Deleuze: Leben als Immanenz- und Univozitätsplan der Natur
        2. Giorgio Agamben: Das nackte Leben oder die Außerkraftsetzung des Rechts durch dessen Produkt
  5. Download Kapitel (PDF)
    1. Denis Diderots Rameaus Neffe: ein verdichtetes Paradigma der Geschichte des Wahnsinns
    2. Nature de la folie und essence de la déraison: Wiederkehr und Triumph des Wahnsinns in Foucaults Neffen
    3. Die Natur des Geistes: Besitz, Urteil, Persönlichkeit als absolute Unpersönlichkeit in Hegels Neffen
    4. Vom Urteil zum Schluss: von der Natur zur Freiheit des Begriffes
    5. Foucaults andere Grundlage: das Substanzielle nicht als Subjekt, sondern als Widerstreit
    6. Leben im eminenten Sinne als Freiheit und Liebe
  6. Download Kapitel (PDF)
      1. Georges Politzers konkrete Psychologie des menschlichen Dramas als wissenschaftliche Psychotechnik
      2. Maurice Merleau-Pontys eidetische Psychologie als Überwindung der Krisis der Humanwissenschaften
        1. i Daniel Lagaches Klinische Psychologie als Vermittlung zwischen Technik und Wissenschaft
        2. ii Daniel Lagache und Georges Canguilhems Philosophie des Wertes und der Technik
        1. i Die Einleitung zu Ludwig Binswangers »Traum und Existenz«
        2. ii Foucaults Entdeckung des Wahnsinns und seine Überwindung des Paradigmas der Geisteskrankheit
    1. Die Geburt der Klinik oder das biowissenschaftliche Paradigma der Humanwissenschaften
    2. Foucaults Einführung in Kants Anthropologie in pragmatischer Hinsicht
      1. Die Grenzen der Repräsentation: von der Taxonomie zur Organisation
      2. Die objektiven Apriori der neuen Empirizitäten: Arbeit, Leben, Sprache
        1. i Endlichkeit und Unendlichkeit des Menschen
        2. ii Die allgemeine Tragweite der modernen anthropologischen Konstellation des Wissens
      3. Totem und Tabu: eine Gegen-Wissenschaft zur Auflösung der Humanwissenschaften
        1. Die Seele: das Gefängnis des Körpers
        2. Die Disziplinen als Machttechniken und Wissensprozeduren
        3. Die Prüfung oder die technische Geburt der Humanwissenschaften
        4. Die Humanwissenschaften als Wissenschaften der Norm und des Normalen
        5. Die psychosomatische Einheit des Körpers und der Seele der Untertanen
        6. Der Panoptismus als spezifische Technologie der politischen Macht nach der Abdankung des Leviathans
        1. i. Der biologistische Grund der modernen Regierungskunst
        2. ii. Staatsrassismus als biopolitische Thanatopolitik
  7. Download Kapitel (PDF)
      1. Canguilhems fundamentale Auffassung des Lebens
      2. Ein anti-positivistisches Verständnis der Wissenschaft
      3. Gaston Bachelards technisch-wissenschaftliche Synthese der metaphysischen Gegensätze
      4. Canguilhems Lebenswissenschaften statt mathematischer Physik
      5. »Der Wille und die Freiheit liegen nicht innerhalb der Grenzen der Intelligenz«
      6. Das Sein des Nichts: die Positivität des Pathologischen und des Irrtums
      7. Die philosophische und politische Relevanz der philosophie biologique in Frankreich
      8. Leben und Tod des Menschen
      1. Auguste Comtes philosophie biologique
      2. Das Normale als die physis der Physiologie
      3. François Broussais’ Prinzip der Identität zwischen Normalem und Pathologischem
      4. Ein nosologisches Prinzip mit universeller Geltung
      5. Canguilhems Zirkel des Lebens
        1. Ist der pathologische Zustand nur eine quantitative Abweichung vom Normalzustand?
        2. Gibt es Wissenschaften des Normalen und des Pathologischen?
        3. Das Leben des Geistes und der Organe
        4. Vom Sozialen zum Vitalen
        5. Die normale Priorität der Übertretung
        6. Natur und Geschichte des Lebens
        7. Canguilhems Dualismus oder die unmögliche Einheit der Erfahrung
        8. Technik, Wissenschaft, Philosophie
      1. Was ist die Psychologie? Oder die instrumentale Ideologie des modernen Biologismus
  8. Canguilhems kartesischer Riss: Tod des Menschen oder Erschöpfung des Cogito? Seiten 662 - 671 Download Kapitel (PDF)
  9. Siglenverzeichnis Seiten 672 - 672 Download Kapitel (PDF)
  10. Bibliografie Seiten 673 - 711 Download Kapitel (PDF)
  11. Namensregister Seiten 712 - 718 Download Kapitel (PDF)
  12. Begriffsregister Seiten 719 - 728 Download Kapitel (PDF)

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