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Erinnern, Umschreiben, Vergessen

Die Stiftung des disziplinären Gedächtnisses als soziale Praxis
Herausgeber:innen:
Verlag:
 2019

Zusammenfassung

Der Blick auf wissenschaftliche Disziplinen und ihre Geschichte ändert sich, sobald Akte der Überlieferung als machtförmige soziale Praktiken betrachtet werden. Als solche ziehen sie Grenzen und verweigern bestimmten Wissensbeständen die Aufnahme in das disziplinäre Gedächtnis. Auch für die Erziehungswissenschaft ist diese Annahme folgenreich: Sie erscheint unter dieser Perspektive nicht nur als ein kollektives Unternehmen, das Wissen erzeugt und die Ergebnisse seiner Forschungen abspeichert, sondern auch als ein umkämpftes politisches Projekt.

Richtungsentscheidungen werden also nicht erst dann virulent, wenn es um die Zukunft der Disziplin geht; zum Widerstreit kann es auch bezüglich der Vergangenheit kommen, wenn es zu entscheiden gilt, welche Theorietraditionen erinnert werden (und welche nicht), welche Wissensbestände als bewahrenswert gelten (und welche nicht), welche Fachvertreter/innen als 'legitime' Ahn/innen aufgerufen werden (und welche nicht).

Der Band versammelt erziehungswissenschaftliche Beiträge, die sich von schlichten Modellen der Akkumulation des Wissens verabschieden – und damit rechnen, dass wichtige Hinweise auf die Zukunft der Disziplin auch in der Vergangenheit liegen können.

Ähnlich wie Walter Benjamin dafür warb, das Bewusstsein für überraschende 'Konstellationen' zu schärfen, gehen die Beiträge von der 'Unabgeschlossenheit' der (Disziplin-) Geschichte aus. Sie laden dazu ein, weder die Vergangenheit der Disziplin zu verklären noch deren Zukunft. Nicht allein die Weichenstellungen, die es hinsichtlich der künftigen kognitiven und sozialen Identität der Erziehungswissenschaft zu treffen gilt, sind verwickelt in hegemoniale Kämpfe, auch der Blick zurück – die Stiftung des Gedächtnisses und die Organisation der Archive – ist Ausdruck des Ringens um die Ordnung des pädagogischen Diskurses.


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Bibliographische Angaben

Copyrightjahr
2019
ISBN-Print
978-3-95832-068-0
ISBN-Online
978-3-7489-0166-2
Verlag
Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
Sprache
Deutsch
Seiten
324
Produkttyp
Sammelband

Inhaltsverzeichnis

KapitelSeiten
  1. Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 6
  2. Wissen und Macht, Wissenschaft und Disziplin. Eine Einleitung Kein Zugriff Seiten 7 - 16 Markus Rieger-Ladich, Anne Rohstock, Karin Amos
  3. Archivieren und Speichern. Das Gedächtnis der Disziplin als Politikum Kein Zugriff Seiten 17 - 48 Markus Rieger-Ladich
  4. Disziplingeschichte und Erinnerungslast Kein Zugriff Seiten 49 - 64 Jürgen Oelkers
  5. Alles wie gehabt? Zur Konstruktion von Klassikern und Geschichte(n) der Pädagogik Kein Zugriff Seiten 65 - 93 Sebastian Engelmann
  6. Relationalität, Kollektivität, Konvivialität, Wissenschaft: Überlegungen zu einem erziehungswissenschaftlich relevanten Zusammenhang Kein Zugriff Seiten 94 - 119 Karin Amos, Laura Böckmann
  7. Vom NS-Statistiker zum bundesrepublikanischen Bildungsforscher: Friedrich Edding und seine Verstrickung in den Nationalsozialismus Kein Zugriff Seiten 120 - 157 Anne Rohstock
  8. Feminismus nach 1945 Kein Zugriff Seiten 158 - 186 Rita Casale, Jeannette Windheuser
  9. Demokratisches Denken durch die Praxis der Soziologie. Die Reeducation-Konzepte des Instituts für Sozialforschung in den 1950er Jahren Kein Zugriff Seiten 187 - 209 Dirk Braunstein, Fabian Link
  10. Gedächtnispolitik in den Geisteswissenschaften. Wissenspfade und Wissenskonflikte am Beispiel der Geschichtswissenschaft, Erziehungswissenschaft und Germanistik in den 1960er und 1970er Jahren Kein Zugriff Seiten 210 - 234 Morvarid Dehnavi, Julia Kurig, Andrea Wienhaus, Carola Groppe
  11. »Belehrung« und »Neufassung« – Tradieren als Übersetzen. Überlegungen zum Anschluss an Günther Buck und Heinz-Joachim Heydorn Kein Zugriff Seiten 235 - 253 Carsten Bünger, Sabrina Schenk
  12. Blinde Flecken der Disziplin und ihrer Geschichte. Die Involviertheit der Wissenschaft in pädosexuelle Diskurspositionen der 1960er bis 1990er Jahre Kein Zugriff Seiten 254 - 276 Meike Sophia Baader
  13. Vergangenheit, die nicht vergehen will – Wie sich die deutsche Erziehungswissenschaft mit nationalsozialistischen Altvorderen plagt Kein Zugriff Seiten 277 - 289 Micha Brumlik
  14. Recht vergessen. Zum Lob einer nicht selten verkannten Praxis in den Wissenschaften Kein Zugriff Seiten 290 - 314 Heinz-Elmar Tenorth
  15. Information zu den Herausgeber/innen und Beiträger/innen Kein Zugriff Seiten 315 - 324

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