
Die Idee des Sozialen im Denken des Rechts
Ein Jahrhundert streitiger Diskurse- Autor:innen:
- Verlag:
- 2024
Zusammenfassung
Die Rechtswissenschaft hat sich in den letzten zweihundert Jahren zu einem für Nichtjurist:innen verschlossenen Denkgebäude entwickelt. Formalismus und Systematik finden keinen Weg mehr, soziale Wirklichkeit und Lebensverhältnisse methodisch sicher einzubeziehen. Dabei werden seit Mitte des 19. Jahrhunderts kontinuierlich Versuche unternommen, juristisches und sozialwissenschaftliches Denken näher zueinander zu rücken. Lautmanns Buch zeichnet diese Diskurse vom Anbeginn bis zur Gegenwart nach und unternimmt eine Deutung ihres Misslingens. Insbesondere die deutsche Rechtsdogmatik zeichnet sich durch einen zugespitzten, weltweit beispiellosen Normativismus aus. Dabei wurde dessen Hermetik immer wieder infrage gestellt. An den damaligen Debatten beteiligten sich neben vielen anderen die berühmtesten Köpfe, zu nennen nur Rudolf v. Jhering, Max Weber, Gustav Radbruch, Carl Schmitt, Helmut Schelsky oder Niklas Luhmann. Insbesondere kurz nach 1900 sowie um 1970 wurde heftig über das Verhältnis von Rechts- und Sozialwissenschaften gestritten – jedoch obsiegte beide Male die dogmatische Tradition. Seit etwa 2000 erheben sich erneut Stimmen, die fordern, den Wirklichkeitsbezug der Rechtsauslegung zu verstärken und die sogenannten Nachbarwissenschaften in der Jurisprudenz besser zu berücksichtigen. Lautmanns Analysen schildern, gegliedert nach den zeitgeschichtlichen Epochen, die Ideen und Exponenten, eingeordnet in ihren politisch-sozialen Kontext. Es handelt sich um ein Überblickswerk zu einem großen Thema mit einer schier unübersehbaren Literatur. Eigene Standpunkte deutet der Autor am Ende, im umfangreichsten Kapitel seines spannenden Durchgangs an. Auch Nichtfachleute können hier nachvollziehen, wie es dazu gekommen ist, dass juristisches Tun in der Bevölkerung als unzugänglich und weltfremd empfunden wird.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2024
- ISBN-Print
- 978-3-95832-384-1
- ISBN-Online
- 978-3-7489-5326-5
- Verlag
- Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 510
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/InhaltsverzeichnisSeiten 1 - 8 Download Kapitel (PDF)
- Einleitung: die Siamesischen SchwesternSeiten 9 - 15 Download Kapitel (PDF)
- Rudolf von Jhering
- Ludwig Gumplowicz
- Eugen Ehrlich
- Die Jahrhundertwende – der Diskurs verdichtet sich
- Das Manifest
- Der Rebell
- Die Freirechtler
- Drei Protagonisten
- Wider die Normativität des Rechts: Ignatz Kornfeld
- Die soziologische Rechtsfindungsmethode von Hans Wüstendörfer
- Sociological Jurisprudence
- Soziologische Jurisprudenz – ein unvollendetes Projekt
- Aufmerksamkeit für Recht und Jurisprudenz in der frühen Soziologie
- Max Webers Rechtssoziologie
- Soziologischer Theorienpluralismus
- Zwischenfrage: ›Gesellschaft‹ oder ›Leben‹?
- Jurisprudenz und Soziologie wenden sich voneinander ab
- Die Gratwanderung von Eugen Ehrlich
- Das Reichsgericht contra legem im Aufwertungsurteil
- Hat die Freirechtslehre gesiegt?
- Hermann Heller: das Recht zwischen Staat und Gesellschaft
- Hugo Sinzheimer und das neue Arbeitsrecht
- Eugen Rosenstock-Huessy: Abschied vom Recht
- Die Protagonisten Ernst Fraenkel, Franz Neumann, Otto Kahn-Freund, Arthur Nußbaum und andere
- Positionen in der Soziologie
- Gegenstimmen
- Soziale Gruppe oder Theorieströmung ?
- Das ›konkrete Ordnungsdenken‹ von Carl Schmitt
- Volksrecht bei Heinrich Lange
- Antiindividualismus bei Reinhard Höhn
- Blut und Boden bei Gunther Ipsen
- Kollaborationen: die Jurisprudenz und die ›Reichssoziologie‹
- Die bruchlose Denkbahn des Max Rumpf durch vier Regimes
- Gustav Radbruch als Antipode
- Soziologisches Rechtsdenken als Wegbereiter des NS-Rechts?
- Der interdisziplinäre Diskurs erlosch
- Das Schweigen
- Die Soziologie blieb vergessen
- Die Verwandlung des Franz Wieacker
- Verweigerung: Karl Larenz
- Weltanschauung statt Sozialwissenschaft
- Zurück aus dem Rückzug: Martin Drath
- Staat und Verfassung
- Zurück aus dem Exil: Ernst Eduard Hirsch
- Metaphysik und Soziologie: Erich Fechner
- Vorbereitendes bei Josef Esser
- Rechtswissenschaft in der DDR
- Die Zeit
- Der Rechtspolitiker Rudolf Wassermann
- Die zweifache Integration
- Der Reformdiskurs
- Der Fusionsdiskurs
- Der Charismatiker Rudolf Wiethölter
- Wie der Fusionsdiskurs sich ausbreitete
- Der Traditionsdiskurs
- Der Institutionalist Helmut Schelsky
- Eine gesellschaftspolitische Spaltungslinie
- Die Reform vor Ort
- Ausbildungsexperimente und neue Fakultäten
- Die Justiz als Ort von Reformen
- Gespräche zwischen den Disziplinen
- Disharmonien im Reformlager
- Die Vertreter der Soziologie
- Erschlaffen des Reformimpulses
- Das Ende der Streitphase
- Praxis und Wirkmacht eines Diskurses
- Die Alternativkommentare
- Rechtsfeld Verfassung
- Rechtsfeld öffentliche Verwaltung
- Rechtsfeld Kriminalität
- Rechtsfeld privater Beziehungen
- Ökonomische Rechtsanalyse
- Feminismus in der Rechtswissenschaft
- Ausbildung und Lehrpersonal
- Zum Verlauf
- Die Identität der beteiligten Fächer
- An den Grenzstellen und die Arten der Verwendung
- Irritationen und Barrieren
- Der juristische Normativismus
- Wege aus dem Normativismus
- Zum Verbleib der Idee vom Sozialen
- Die Kräfte einer weiteren Öffnung
- Die juristische Ausbildung
- Was seitens der Sozialwissenschaften geschehen könnte
- Rechtsgewinnung durch Dogmatik
- Der Selbstand der Rechtswissenschaft
- Grade des Normativismus
- Handeln vs. System als soziologische Perspektiven
- Kein Ausblick
- NachwortSeiten 461 - 463 Download Kapitel (PDF)
- Literatur Seiten 464 - 510 Download Kapitel (PDF)




