
Die Tagsatzung der Eidgenossen
Politik, Kommunikation und Symbolik einer repräsentativen Institution im europäischen Kontext (1470-1798)- Autor:innen:
- Reihe:
- Frühneuzeit-Forschungen, Band 19
- Verlag:
- 2023
Zusammenfassung
Die »Tagsatzung der Eidgenossen« bietet die überfällige Untersuchung der wichtigsten Institution der vormodernen Schweiz.
Diese Versammlung verkörperte im komplexen Bündnisgeflecht der alten Eidgenossenschaft den zentralen Ort der Kommunikation der Vertreter der dreizehn Kantone und der locker assoziierten »Zugewandten Orte« unter sich und mit den Gesandten europäischer Mächte. Trotz ihrer unumstrittenen Bedeutung für die Schweizer Geschichte und in eigentümlichen Kontrast zum Reichtum der Quellen gab es bislang wenig Detailforschung und kein Gesamtdarstellung.
Erstmals werden Anzahl, Frequenz, Dauer, Teilnehmer und Gäste der über 5.000 Tagsatzungen und Konferenzen zwischen 1470 und 1798 auf der Basis der »Eidgenössischen Abschiede«, der 1856-1886 edierten Sitzungsnotizen in Regestform, quantifizierend dargestellt. Das Sozialprofil der Teilnehmer - eidgenössische Tagherren und Gesandte fremder Mächte - und die an den Sitzungen behandelten über 60.000 Geschäfte werden in Stichproben rekonstruiert. So entsteht das Profil einer Institution, die zwar keine normativen Gründungsdokumente oder ausformulierte Geschäftsordnungen kannte, sich aber über die ständig wiederholte Praxis als langlebigste föderative Versammlung überhaupt etablierte.
Die Analyse der Verfahren zur Entscheidungsfindung, die an der Tagsatzung in Gebrauch waren, mündet in eine Kulturgeschichte des Politischen. Sie untersucht anhand von Berichten, Korrespondenzen und diplomatischen Akten aus dreizehn schweizerischen und europäischen Archiven die Kommunikationsmodi unter den eidgenössischen Tagherren und den europäischen Diplomaten. Eingebettet in vielfältige Formen des Zeremoniells und der Soziabilität vermittelten die Akteure offiziell im Sitzungssaal, aber auch informell im Wirtshaus, im Thermalbad oder im Gotteshaus innereidgenössische Konflikte, verwalteten die »Gemeinen Herrschaften« (Untertanengebiete) und koordinierten die Außen- und Wirtschaftspolitik. Dabei erwies sich die Tagsatzung als stabil, flexibel - etwa in der Ausdifferenzierung konfessioneller Konferenzen nach der Reformation - und weit effizienter als ihr Ruf.
Schließlich symbolisierte die Institution Tagsatzung die Eidgenossenschaft als komplexes föderales Gebilde. Dies zeigt nicht nur die eidgenössische Selbstdarstellung in Texten, Bildern und Ritualen, sondern auch die europäische Wahrnehmung von Staatstheoretikern, Bildungsreisenden und Diplomaten. Im Vergleich zu anderen - bündischen und ständischen - repräsentativen Institutionen des frühneuzeitlichen Europa waren die wenig hierarchisierten eidgenössischen Tagsatzungen und Konferenzen bemerkenswert eigenaktiv und langlebig.
Die Geschichte der alten Eidgenossenschaft wird als Kommunikationsgeschichte ihrer bedeutendsten politischen Institution geschrieben und die Tagsatzung der Eidgenossen im Vergleich mit europäischen repräsentativen Versammlungen der Vormoderne neu positioniert.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2023
- ISBN-Print
- 978-3-8353-5114-1
- ISBN-Online
- 978-3-8353-8481-1
- Verlag
- Wallstein, Göttingen
- Reihe
- Frühneuzeit-Forschungen
- Band
- 19
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 717
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 14
- Vorwort Kein Zugriff Seiten 15 - 16
- 1. Tagsatzung, Eidgenossenschaft, Europa Kein Zugriff Seiten 20 - 28
- 2.1. Die »Wiederentdeckung« der Tagsatzung im jungen Bundesstaat (1848–1920) Kein Zugriff
- 2.2. Tagsatzung und Völkerbund (1925–1945) Kein Zugriff
- 2.3. Spezialthemen und Handbuchsynthesen (1948–1983) Kein Zugriff
- 2.4. Quantifizierung und Funktionsanalyse: Neuere Ansätze (1986–2009) Kein Zugriff
- 2.5. Bilanz und Desiderate Kein Zugriff
- 3.1. Quantifizierung und Institution Kein Zugriff
- 3.2. Politik, Kommunikation, Soziabilität und Symbolik Kein Zugriff
- 3.3. Perzeption, Repräsentation und Vergleich Kein Zugriff
- 4.1.1. Politische Entstehungsgeschichte der EA Kein Zugriff
- 4.1.2. Geschichtswissenschaftliche Kritik der EA Kein Zugriff
- 4.1.3. Zur Datenverarbeitung Kein Zugriff
- 4.2. Andere Quellen Kein Zugriff
- 5. Eingrenzung und Aufbau der Arbeit Kein Zugriff Seiten 82 - 86
- 1.1.1. Eidgenössische Orte (Kantone) Kein Zugriff
- 1.1.2. Zugewandte Orte Kein Zugriff
- 1.1.3. Europäische Mächte Kein Zugriff
- 1.2.1. Boten eidgenössischer Orte Kein Zugriff
- 1.2.2. Gesandte europäischer Mächte Kein Zugriff
- 1.2.3. Landvogt und Landschreiber, »Nebentagsherren« und Zuschauer Kein Zugriff
- 1.3. Zusammenfassung Kein Zugriff
- 2.1.1. Typen Kein Zugriff
- 2.1.2. Anzahl, Häufigkeit und Dauer Kein Zugriff
- 2.1.3. Treffpunkte Kein Zugriff
- 2.1.4. Zusammenfassung Kein Zugriff
- 2.2.1. Anzahl Geschäfte 1470–1798 Kein Zugriff
- 2.2.2. Geschäfte und Fälle der Stichjahre 1470/1600 Kein Zugriff
- 2.2.3. Themen Kein Zugriff
- 2.2.4.Initianten Kein Zugriff
- 2.2.5. Adressaten Kein Zugriff
- 2.2.6. Funktionen Kein Zugriff
- 2.2.7. Zusammenfassung Kein Zugriff
- 2.3. Institutionalisierung Kein Zugriff
- 1.1. Zum Beispiel: Die Tagsatzung vom 14. Juni 1514 in Luzern Kein Zugriff
- 1.2.1. Vorbereitung, Anreise und Unterkunft Kein Zugriff
- 1.2.2. Termine, Traktandenlisten und Vorsprachen Kein Zugriff
- 1.2.3. Audienzen, Zeremoniell und Mehrsprachigkeit Kein Zugriff
- 1.2.4. Abschiede, Varianten und Geheimhaltung Kein Zugriff
- 1.3.1. »Gewalt« und Instruktion Kein Zugriff
- 1.3.2. »Umfrage« und Diskussion Kein Zugriff
- 1.3.3. »Heimbringen« bis in die Ämter Kein Zugriff
- 1.3.4. »Mehren« und »Vermächtigen« Kein Zugriff
- 1.3.5. »Von Ort zu Ort reiten« Kein Zugriff
- 1.3.6. »Ausschuss« und »Kommission« Kein Zugriff
- 1.4.1. Vermittlung und Schiedsgericht Kein Zugriff
- 1.4.2. Bitten und ihre Behandlung Kein Zugriff
- 1.5. Zusammenfassung Kein Zugriff
- 2.1. Rathaus, Gasthaus, Gotteshaus: Offizielle Anlässe Kein Zugriff
- 2.2. Essen, Trinken, Reden: Inoffizielle Begegnungen Kein Zugriff
- 2.3.1. Gesandte und Tagherren Kein Zugriff
- 2.3.2. Agenten und Spione Kein Zugriff
- 2.4.1. Tanz, Theater und Musik Kein Zugriff
- 2.4.2. Ausflüge und ›Amusement‹ Kein Zugriff
- 2.5.1. Institutionelle, familiäre und soziale Einbettung Kein Zugriff
- 2.5.2. Nachrichten als Ware: Avisi und Neue Zeitungen Kein Zugriff
- 2.5.3. Zur Sichtbarkeit von Kommunikation Kein Zugriff
- 2.6. Zusammenfassung Kein Zugriff
- 3.1.1. Erneuerung des Bundes: Ablauf und Organisation Kein Zugriff
- 3.1.2. Alte und neue Kontroversen Kein Zugriff
- 3.1.3. Symbol und Recht Kein Zugriff
- 3.2.1. Die Sicht der Akteure Kein Zugriff
- 3.2.2. Die Perspektive der Beobachter Kein Zugriff
- 3.3.1. Wahl der Tagungsorte Kein Zugriff
- 3.3.2. Sitzungssäle und kommunale Kultur Kein Zugriff
- 3.3.3. Rangkonflikte an der Tagsatzung Kein Zugriff
- 3.4.1. Wappenschenkungen Kein Zugriff
- 3.4.2. Corporate Identity Kein Zugriff
- 3.5. Zusammenfassung Kein Zugriff
- 1.1.1. Machiavelli, Bodin, Simler – 16. Jahrhundert Kein Zugriff
- 1.1.2. Vor allem englische Republikaner – 17. Jahrhundert Kein Zugriff
- 1.1.3. Die Schweizer Freiheit der europäischen Aufklärer – 18. Jahrhundert Kein Zugriff
- 1.2.1. Die Tagsatzung als Aufhänger Kein Zugriff
- 1.2.2. »…versammlet sich die gantze Republique« Kein Zugriff
- 1.2.3. Schweiz-Begeisterung Kein Zugriff
- 1.3.1. »Che tanti popoli disuguali … possano comportarsi insieme«: Föderation Kein Zugriff
- 1.3.2. »Gouvernement aristo-democratique«: Partizipation Kein Zugriff
- 1.3.3. »Quien los compra los tiene«: Pension Kein Zugriff
- 1.3.4. »The Reformation … split the Helvetick Body in two«: Konfession Kein Zugriff
- 1.4.1. Gemalte Tagsatzungen: Bilderchroniken und Tafelbilder Kein Zugriff
- 1.4.2. Gedruckte Tagsatzungsbilder: Holzschnitte und Kupferstiche Kein Zugriff
- 1.4.3. Die »Tagsatzung zu Stans« vom 22. Dezember 1481: Dokumentierte Fiktion Kein Zugriff
- 1.4.4. Fehlende Dokumentation der Realität Kein Zugriff
- 1.4.5. Ikonographische Verschmelzung: Tagsatzung und Bundesschwur Kein Zugriff
- 1.4.6. Rezeption: Zugänglichkeit und Wirkung der Bilder Kein Zugriff
- 1.5. Zusammenfassung Kein Zugriff
- 2.1. Typologien politischer Versammlungen Kein Zugriff
- 2.2.1. Einberufung und Versammlungsrecht Kein Zugriff
- 2.2.2. Teilnehmer und Struktur Kein Zugriff
- 2.2.3. Versammlungsort und -raum Kein Zugriff
- 2.2.4. Versammlungsfrequenz und -dauer Kein Zugriff
- 2.2.5. Verfahren und Prozeduren Kein Zugriff
- 2.2.6. Kompetenzen und behandelte Geschäfte Kein Zugriff
- 2.2.7. Positionierung im institutionellen Rahmen Kein Zugriff
- 2.2.8. Symbolik der Sitzordnungen Kein Zugriff
- 2.3. Ergebnisse Kein Zugriff
- Schluss: Repräsentative Institution und Kommunikatonszentrum Kein Zugriff Seiten 599 - 618
- Summary in English Kein Zugriff Seiten 619 - 626
- Quellen- und Literaturverzeichnis Kein Zugriff Seiten 627 - 690
- Abkürzungsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 691 - 692
- Personen-, Orts- und Sachregister Kein Zugriff Seiten 693 - 717




