
Zeitstrukturen des Rechts
Über die Möglichkeit einer kritischen Theorie der Gerechtigkeit- Autor:innen:
- Verlag:
- 2020
Zusammenfassung
Im Vordergrund steht die Frage, ob die »Gerechtigkeit« ein geeigneter Grundbegriff für eine kritische Theorie der Gesellschaft ist.
Die Autorin analysiert das im Kontext der Kritischen Theorie infrage stehende Konzept und bestimmt sein Verhältnis zu individuellen Rechten und positivem Recht. Davon ausgehend systematisiert sie unterschiedliche Spielarten der Skepsis an der emanzipatorischen Kraft des Gerechtigkeitsbegriffs und betont dabei die Kritik, dass eine libertäre Gerechtigkeitskonzeption Ausbeutungseffekte, eine egalitäre hingegen Normalisierungseffekte habe.
Die prozedurale Gerechtigkeitskonzeption Rainer Forsts wird darauf untersucht, ob diese die Beherrschungseffekte vermeiden kann. Dafür wird eine vollständige Rekonstruktion seiner Theorie vorgelegt. An zwei entscheidenden Stellen wird sie ergänzt und modifiziert: erstens hinsichtlich der Begründung des »Rechts auf Rechtfertigung«, die die Autorin mit Hilfe von Fichtes Anerkennungsbegriff umdeutet, und zweitens, indem das Verhältnis von Forsts Gerechtigkeitskonzeption zum modernen Recht erörtert wird.
Die Hauptthese des Buches legt dar, dass diese kritisch-prozedurale Gerechtigkeitskonzeption die Beherrschungseffekte der Ausbeutung und Normalisierung vermeidet, aber das Potential für einen neuen zweistufigen Beherrschungseffekt ausbildet: »Beschleunigung«, verstanden als stetige Verringerung der Geltungsdauer sozialer Institutionen, insbesondere rechtlicher Normen, und damit einhergehend die Subjektivierungsform der »Flexibilisierung«.
Eine Reflexion der kritisch-prozeduralen Gerechtigkeitskonzeption auf diesen in ihr angelegten Beherrschungseffekt wirft die Frage nach dem gewünschten Modus der Entwicklung des Rechts (als Realisierungsform der Gerechtigkeit) in der Zeit auf. Die Ausgangsfrage nach der Möglichkeit einer kritischen Theorie der Gerechtigkeit entscheidet sich also mit Blick auf die Zeitstrukturen des Rechts.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2020
- ISBN-Print
- 978-3-95832-228-8
- ISBN-Online
- 978-3-7489-1131-9
- Verlag
- Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 404
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/InhaltsverzeichnisSeiten 1 - 10 Download Kapitel (PDF)
- Vorwort Seiten 11 - 14 Download Kapitel (PDF)
- Welche Gerechtigkeit?
- Methodische Reflexion
- Aufbau
- Der reduzierte Blick der Gerechtigkeit
- Subjektive Rechte: Gleichheit als Gleichheit von Rechten
- Gesetz, Rechtsform und (implizites) Gesellschaftsbild
- Die libertäre Spezifizierung des allgemeinen Begriffs der Gerechtigkeit
- Machtstabilisierung (Ausbeutung) als Beherrschungsform libertärer Gerechtigkeit
- Die egalitaristische Spezifizierung des allgemeinen Begriffs der Gerechtigkeit
- Normalisierung als Beherrschungsform egalitaristischer Gerechtigkeit
- Keine reduzierte Perspektive
- Individuelle Freiheit als Autonomie – anstatt Gleichheit von Rechten
- Plurale Sphären der sozialen Freiheit – anstatt Realisierung im Gesetz
- (Nicht-gelingende) Lebensformen als Interesse der Kritik
- Kollektive Lebensform statt individuellem Recht
- »Keine Polizeifragen«
- Resonanzräume als Interesse der Kritik
- Resonanz als Kriterium für die Kritik von Lebensformen?
- Resonanzpolitik oder unverfügbare Resonanz?
- Zwischenfazit I: Die Herausforderungen einer kritischen Theorie der Gerechtigkeit Seiten 113 - 122 Download Kapitel (PDF)
- Einleitung Seiten 123 - 144 Download Kapitel (PDF)
- Was ist die Frage, auf die Forsts Gerechtigkeitstheorie antwortet?
- Der Rechtfertigungsbegriff
- Die Kriterien für gute Rechtfertigungen: Reziprozität und Allgemeinheit
- Ebenen der Moralbegründung
- Die handlungstheoretische Dimension des deskriptiven Rechtfertigungsbegriffs
- Die sozialtheoretische Dimension des deskriptiven Rechtfertigungsbegriffs
- Ausbeutung
- Demokratie
- Entfremdung
- Fortschritt
- Frieden
- Legitimität
- Toleranz
- Autonomie, Freiheit und Gleichheit als normativ abhängige Begriffe?
- Normativ abhängige, redundante oder dichte Begriffe?
- Die Grenzen der Rechtfertigung
- Meta-Recht auf Grundrechte und die Idee der Menschenrechte
- Praktische Einsicht zweiter Ordnung (in das moralische Rechtfertigungsprinzip)
- Fichtes Anerkennungsbegriff
- Fichtes und Forsts Anerkennungsbegriff
- Recht auf Politik
- Welche Grundrechte?
- Die starke Normativität kritisch-prozeduraler Gerechtigkeit
- Die Dialektik von rechtlicher und faktischer Gleichheit (Habermas)
- Die normative Bedeutung des zeitlichen Auseinandertretens von Gesetzgebung und Rechtsanwendung
- Habermas’ Umgang mit der Dialektik von rechtlicher und faktischer Gleichheit
- Die Steuerungskrise des modernen Rechts
- Die Grundidee von reflexivem Recht
- Die Angepasstheit reflexiven Rechts
- Zwischenfazit II: Was leistet die kritisch-prozedurale Theorie der Gerechtigkeit? Seiten 310 - 314 Download Kapitel (PDF)
- Die Angepasstheit reflexiven Rechts und (soziale) Beschleunigung
- Soziale Beschleunigung und flexible Identitäten
- ›Beschleunigung‹ und ›Flexibilisierung‹ als Beherrschungspotential kritisch-prozeduraler Gerechtigkeit
- Eine Verhältnisbestimmung der Beherrschungsformen der Gerechtigkeit
- Historische Zeit
- Historische Zeit und Normativitätskonzeptionen in der Kritischen Theorie
- Auf dem Weg zu einem angemessenen Bewusstsein historischer Zeit aus Sicht kritisch-prozeduraler Gerechtigkeit
- Zusammenfassung
- Rechtliche Mittel
- Bildungspolitische Mittel
- Kosten-Nutzen-Abwägung kritisch-prozeduraler Gerechtigkeit
- Literaturverzeichnis Seiten 376 - 404 Download Kapitel (PDF)



