
Juridische Soziologien
Recht und Gesellschaft von 1814 bis in die 1920er Jahre- Autor:innen:
- Reihe:
- Theorie und Geschichte der Soziologie, Band 4
- Verlag:
- 2021
Zusammenfassung
Warum spielt für die entstehende Soziologie die Auseinandersetzung mit dem Recht eine zentrale Rolle? Und warum ist dies heute nicht mehr der Fall? Die genealogische Untersuchung zeigt, dass der Grund hierfür in den gegenseitigen Bezugnahmen von Privatrechtswissenschaft und Soziologie liegt. Denn die Art und Weise, wie ausgehend vom 19. Jahrhundert angesichts konkreter Problemlagen aus juristischer Perspektive das Recht als gesellschaftliches Phänomen adressiert wird, spiegelt sich in den frühen Soziologien von Émile Durkheim, Ferdinand Tönnies und Max Weber wider. Dies mündet in eine gegenseitige Abgrenzung, die für die Zukunft Recht und Soziologie in ein problematisches Verhältnis zueinander setzt.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2021
- ISBN-Print
- 978-3-8487-6878-3
- ISBN-Online
- 978-3-7489-0973-6
- Verlag
- Nomos, Baden-Baden
- Reihe
- Theorie und Geschichte der Soziologie
- Band
- 4
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 664
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/InhaltsverzeichnisSeiten 1 - 14 Download Kapitel (PDF)
- 1. Das „epistemische Ding“ Rheinbergers
- 2.1 Soziologiegeschichte als Objektgeschichte
- 2.2 Objektgeschichte und Gesellschaftstheorie
- 1.1 L’urgence
- 1.2 Das epistemische Dispositiv der Rechtswissenschaften
- 1.3 Problematisierung
- 2. Recht und Autonomie
- 3. Recht, Wahrheit und Normativität
- 4. Recht und Soziologie
- 5. Recht und Macht
- 6. Erschließungsebene
- I. L’urgence: Die drohende Kodifikation (Anton Friedrich Justus Thibaut)
- 1.1 Die Rechtsentstehung im Volksgeist
- 1.2 Organologische Volksgeistlehre
- 1.3 Von der politischen zur epistemischen Frage
- 2.1 Rechtswissenschaft als „Wissenschaft der Wirklichkeit“
- 2.2 Die Reinigung des Rechtsbegriffs
- Autonomisierung in der geschichtlichen Entwicklung
- Die Bestimmung der rechtswissenschaftlichen Methode
- Die rechtserzeugende Kraft der Rechtswissenschaft
- Repräsentation I: Recht als Repräsentation des unsichtbaren Volksgeistes
- Repräsentation II: Der Privatrechtswissenschaftler als Gesellschaftswissenschaftler
- 3.1 Historische Wissenschaftspraktiken
- Volksgeist und Systemerkenntnis: Induktion – Deduktion – Rekonstruktion
- Der methodische Weg: Volksgeist, Auslegung und Sinnverstehen
- 1.1 Der lebendige Charakter des historisch gewachsenen Rechts
- Von der Kritik zur Arbeitsteilung: de lege lata und de lege ferenda
- Kongruenzen zwischen Historischer Rechtsschule und Rechtsphilosophie
- 2.1 Missrepräsentationen I: Eigenes versus fremdes Recht, gegenwärtiges Volksrecht versus Juristenrecht (Beseler)
- 2.2 Missrepräsentationen II: Die „Bedürfnisse der Zeit“ und das Recht der Gegenwart
- 2.3 Nichtrepräsentierbarkeit des lebenden Rechts: Die Unmöglichkeit der Rechtswissenschaft (Kirchmann)
- 2.4 Politische Repräsentationsprobleme: Römisch-liberales versus germanisch-soziales Recht
- 3. „Lebendes Recht“ als Repräsentationsproblem
- 1.1 Das Recht der Wissenschaft
- 1.2 Die Korrekturen der juristischen Logik durch den Volksgeist
- 2.1 Innen und Außen des Rechtsorganismus: Logik und Leben
- 2.2 Die juristische Technik
- 3. Rechtsdogmatik und Leben
- 1. Recht und Repräsentation
- 2. Recht und Politik
- 3. Die Entdeckung der Gesellschaft im Recht
- 1.1 Kritik am Wert der juristischen Konstruktion
- 1.2 Auf der Suche nach dem wahren Ursprung des Rechts
- 1.3 Das Ringen um Gerechtigkeit
- 2.1 Die treibende Kraft des Zwecks im Recht
- 2.2 Die Gesellschaft und ihr Recht
- 2.3 Das Recht der Gesellschaft: Norm und Zwang
- 2.4 Das Spannungsverhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum: Die „sociale Mechanik“
- 2.5 Die funktionale Rechtsanalyse
- 3.1 Rechtswissenschaft als Teil der Gesellschaftswissenschaft
- 3.2 Die Rechtswissenschaft in der Gesellschaftswissenschaft
- 3.3 Die Kritik an der „Begriffsjurisprudenz“
- 3.4 Rechtswissenschaft und gesellschaftliche Entwicklung
- Der Zweck in der Ethik
- Der Zweck und die Kulturwissenschaften
- Der Zweck in den Sozialwissenschaften
- Der Zweck in der Staatslehre
- Der Zweck im Strafrecht
- Rechtspositivismus (Bergbohm)
- Neuhegelianismus (Berolzheimer)
- Neukantianismus (Stammler, Lask)
- Der rechtsphilosophische Zweck
- 2. Die Ablehnung des Zwecks im Fachdiskurs der Privatrechtswissenschaften
- 1. Eine kurze Geschichte der Kodifikation des BGBs
- 2. Kodifikation als Bestandsaufnahme
- 3. Die Verabschiedung des Gewohnheitsrechts
- 1. Die Diffusität des Sozialen: „Soziale Aufgabe“, „Sozialpolitik“, „Soziale Frage“ etc.
- 2.1 Römisch-individualistisches versus deutsch-soziales Recht
- 2.2 Die soziale Aufgabe und die Rechtswissenschaft
- 1. Die gefährdete Gesellschaft
- 2. Die Aufwertung des Zweckgedankens
- 3. Recht als gesellschaftlicher Ordnungsfaktor
- 1. Die Theorie der Gesellschaft und die soziale Aufgabe
- 2. Privatrechtstheorie als Gesellschaftstheorie: BGB und Spezialgesetzgebung
- 1. Die Wahrheit in der Gesetzgebung: Die soziale Aufgabe des BGBs jenseits der Politik
- 2. Rechtswissenschaft und Gesellschaftswissenschaft
- VI. Zusammenfassung: Der gesellschaftsfunktionale Zweck im Privatrecht
- 1.1 Die schwelende Kritik an der dogmatischen Rechtswissenschaft
- 1.2 Vom Streit um die Rechtsdogmatik zum Methodenstreit
- 1.3 Gemeinsame Polemik gegen die Begriffsjurisprudenz
- 2.1 Der Streit um die Wissenschaftlichkeit
- 2.2 Das Problem der Rechtssicherheit
- 2.3 Die drohende Ungerechtigkeit der Begriffsjurisprudenz
- II. Die erneute Suche nach dem Lebensbezug des Rechts: Das Recht der Gesellschaft
- 1.1 Soziologische Kausalwissenschaft als Gerechtigkeitswissenschaft: Ernst Fuchs
- 1.2 Wertungsgrundlage und Kulturwerte: Die soziologische Verankerung des juristischen Urteils (Gmelin, Wüstendörfer)
- 2. Wertungen in den Interessenabwägungen
- 3. Die Problematisierung der Normativität des Rechts
- 1.1 Rechtswissenschaft als Soziologie
- 1.2 Soziologie des Rechts als „wissenschaftliche Grundlage“ der Jurisprudenz
- 1.3 Ergänzung der Rechtswissenschaft durch die Soziologie
- 1.4 Rechtssoziologie als „Zwischenwissenschaft“
- 1.5 Der „juristische Werturteilstreit“: Soziologie, Norm und Werturteil
- 2.1 Rechtswissenschaft als Sozialwissenschaft, Kulturwissenschaft oder Normwissenschaft
- 2.2 Konkurrenzproblem „Soziologie“
- 2.3 Die Relativierung der ‚Gesellschaft‘
- 2.4 Die Sicherung der Autonomie der Rechtswissenschaft
- V. Zusammenfassung
- 1. Jhering und die positiven Moralwissenschaften in Deutschland
- 2. Montesquieus Beitrag zur Gründung der Soziologie
- 3. Die Anerkennung der Gewohnheitsrechtslehre als Voraussetzung der Soziologie
- 1. Recht als Repräsentation der Solidaritätsform
- 2. Die Gewohnheitsrechtslehre in der Arbeitsteilung
- 1. Der forschungspragmatische Rekurs auf das Recht in den Regeln
- 2. Die Rechtsentstehungslehre in den Regeln
- 1.1 Konvergenzen mit dem juristischen Repräsentationsdispositiv
- Recht und Rechtssystem
- Recht und „lebendes Recht“
- Die Bedürfnisse der Zeit
- 2. Durkheims funktionale Perspektive jenseits des gesellschaftsfunktionalen Zweckdispositivs
- 3. Durkheims Ablehnung der Problemlagen des normativen Zweckdispositivs
- 4. Die Indexthese als Kehrseite des Repräsentationsdispositivs
- V. Der Verlust des Rechts im Repräsentationsgedanken
- 1.1 Die Ursprünge der Grundbegriffe in Naturrecht und Historischer Rechtsschule
- 1.2 Der Konflikt zwischen Naturrecht und Historischer Rechtsschule
- 2. Die juristischen Vorläufer der Soziologie: Jhering als „Erneuerer des Naturrechts“
- 1.1 Rechtsverhältnisse als soziale Verhältnisse
- 1.2 Recht als soziale Ordnung
- 2.1 Naturrecht als rationale Wissenschaft
- 2.2 Rechtsbegriffe und soziologische Begriffe
- 1. Das Natürliche im Recht
- 2. Der Entwurf eines gemeinschaftlichen Naturrechts
- 3. Die Wertfreiheit der Soziologie als Rechtsphilosophie
- 1. Die Ablehnung des Repräsentationsgedankens
- 2.1 Die Kritik am Freirecht
- 2.2 Wissenschaftstheoretische Bestimmungen von Soziologie und Rechtswissenschaft: Jenseits des Konkurrenzproblems
- 3. Tönnies und die Problematisierungsweise des gesellschaftsfunktionalen Zweckdispositivs
- V. Die Anschlussschwierigkeiten an Tönnies’ soziologischer Adressierung des Rechts
- I. Webers Auseinandersetzung mit dem Recht in der „Wissenschaftslehre“
- 1. Von der Kritik an der Historischen Schule der Nationalökonomie…
- 2. … zur Kritik des Repräsentationsgedankens der Historischen Rechtsschule
- 1. Objektivitäts-Aufsatz: Idealtypus und rechtsdogmatische Begriffsbildung
- 2. Objektive Möglichkeit und adäquate Verursachung: Juristisch-soziologische Zurechnungslehren
- 3. Die Stammler-Kritik: Die Abwehr der rechtswissenschaftlichen Bestimmung des Sozialen
- 4.1 Die kategoriale Orientierung an normativen Ordnungen
- 4.2 Die „Idealtypik“ der juristischen Begriffsbildung
- 4.3 Die Notwendigkeit der Abgrenzung zur Rechtsdogmatik
- 5. Die Lösung des Problems der Werturteilsfreiheit: Der Sinn der Werte in den normativen Wissenschaften
- 6. Zusammenfassung: Webers wissenschaftslogische Bestimmung der Rechtsdogmatik
- 1. Recht und Ordnung: Webers Abkehr vom gesellschaftsfunktionalen Zweckdispositiv
- 2. Rechtsdogmatik und Begriffsjurisprudenz: Webers Positionierung im normativen Zweckdispositiv
- V. Die Immunisierung der Soziologie gegen das Recht
- SchlussSeiten 575 - 582 Download Kapitel (PDF)
- LiteraturverzeichnisSeiten 583 - 664 Download Kapitel (PDF)
Literaturverzeichnis (1385 Einträge)
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