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Monographie Kein Zugriff

Psychiatrie und Krieg

Versorgungstechnische und und psychiatrische Auswirkungen des ersten Weltkrieges auf das Landeshospital Haina und seine Patienten
Autor:innen:
Verlag:
 2024

Zusammenfassung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich die psychiatrische Anstalt in Haina in einer Phase des Umbruchs, deren zahlreiche Bestrebungen im Geiste von Fortschritt und Modernisierung durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges jäh beendet wurden. Wie sich der Krieg auf die Geschehnisse, das Personal und insbesondere die Patienten des Landeshospitals Haina auswirkte, ist die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit, welche hauptsächlich auf der Auswertung von Archivalien und deren Kontextualisierung anhand weiterer Quellen beruht. Die unmittelbarste Folge des Krieges für das Landeshospital war die Einberufung von beinahe der Hälfte des Personals zum Heeresdienst. Bei unveränderter Patientenzahl war deren Versorgung und Überwachung nun maßgeblich erschwert, und schon kurz nach Kriegsausbruch finden sich Berichte über vermehrten Aufruhr und Entweichungen. Spätestens ab Herbst 1915 kam dann die für das Landeshospital gravierendste Auswirkung des Krieges zum Tragen: Durch Fehlplanung, Missernten und eine Handelsblockade war die Versorgung mit Nahrungsmitteln erheblich erschwert. Durch die Verbreitung der Infektionserkrankungen Ruhr, Typhus und Tuberkulose verschlimmerte sich die Situation nochmals erheblich. Insbesondere die ab Mitte 1916 einsetzende Ruhr-Epidemie forderte viele Todesopfer unter den mangelernährten Patienten. Dass in Haina aufgrund des damaligen Status als Pflegeanstalt viele ältere Menschen untergebracht waren, begünstigte den verheerenden Verlauf zusätzlich. Von einer Inkaufnahme des Hungersterbens der Patienten, wie sie der Mehrzahl damaliger Psychiater nachgesagt wird, konnte in Haina keineswegs die Rede sein. Während zu Beginn des Krieges auch in Haina eine patriotische Grundhaltung vorherrschte – hierfür spricht unter anderem die Errichtung eines Vereinslazaretts auf dem Gelände des Landeshospitals, in dem zwischen Oktober 1914 und Mai 1917 verwundete Soldaten versorgt wurden –, unternahm man spätestens ab dem Zeitpunkt, als die gesundheitlichen Folgen für die Patienten sichtbar wurden, vieles, um deren Situation zu lindern, und patriotische Motive rückten in den Hintergrund. Vor dem Krieg deutlich erkennbare Bestrebungen nach Teilhabe am wissenschaftlichen psychiatrischen Diskurs und fachliche Überlegungen in Haina wurden durch den Krieg erheblich eingeschränkt, da dieser die Einrichtung und Patienten insbesondere durch die Hungersnot und den Personalmangel vor eine existenzielle Bedrohung gestellt hatte.

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Bibliographische Angaben

Copyrightjahr
2024
ISBN-Print
978-3-7410-0292-2
ISBN-Online
978-3-7410-0717-0
Verlag
Schüren, Marburg
Reihe
Historische Schriftenreihe des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen Quellen und Studien
Band
19
Sprache
Deutsch
Seiten
235
Produkttyp
Monographie

Inhaltsverzeichnis

KapitelSeiten
  1. Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 10
      1. 1.1 Einleitung Kein Zugriff
        1. Zur Terminologie: Zwischen historischen Krankheitsbezeichnungen und Stigmatisierung Kein Zugriff
      1. 2.1 Die Geschichte des Hospitals in Haina bis zur Vorkriegszeit Kein Zugriff
      2. 2.2 Das ärztliche Personal in der Vorkriegszeit Kein Zugriff
      3. 2.3 Pflege und Alltag der Kranken in Haina Kein Zugriff
      4. 2.4 Modernisierungsbestrebungen in Haina Kein Zugriff
      1. 3.1 Die Mobilmachungen ab August 1914 – erste Auswirkungen und Maßnahmen Kein Zugriff
      2. 3.2 «Ausnahmsweise ein 2 maliges Frühstück und 4 Flaschen Lagerbier wöchentlich» – der Streit um bessere Entlohnun Kein Zugriff
      3. 3.3 Lösungsansätze in anderen Einrichtungen Kein Zugriff
      4. 3.4 Weitere Maßnahmen gegen den Personalmangel in Haina: Die personelle Situation im Verlauf des Krieges Kein Zugriff
      1. 4.1 Einführung: Der Hunger in der deutschen Zivilbevölkerung und in psychiatrischen Einrichtungen während des Ersten Weltkrieges Kein Zugriff
      2. 4.2 «Deutschland fletschere!» Das Thema Ernährung im zeitgenössischen psychiatrischen Diskurs Kein Zugriff
      3. 4.3 Verpflegung der Kranken des Landeshospitals Haina zu Beginn des Ersten Weltkrieges Kein Zugriff
      4. 4.4 Der zeitliche Verlauf der Hungersnot im Landeshospital Haina Kein Zugriff
        1. 4.5.1 Sterberaten verschiedener Provinzen sowie der LHA Marburg und des Landeshospitals Haina im Vergleich Kein Zugriff
      5. 4.6 Die «Ernährungshierarchie» im Ersten Weltkrieg: Stellung des Landeshospitals Haina Kein Zugriff
        1. 4.7.1 Personalmangel und sinkende Arbeitsfähigkeit der Kranken Kein Zugriff
        2. 4.7.2 «Schweinemord» und «Steckrübenwinter»: Planung, politische Fehlentscheidungen und Witterung Kein Zugriff
      6. 4.8 Das Hungerleiden des Pflegepersonals Kein Zugriff
      7. 4.9 Todesursache Hunger Kein Zugriff
      8. 4.10 Hungerödeme Kein Zugriff
        1. 4.11.1 «Mitsamt der Schale»: Das Verhungern eines psychiatrischen Patienten Kein Zugriff
      1. 5.1 Das Vorkommen von Infektionserkrankungen im Landeshospital zu Friedenszeiten Kein Zugriff
      2. 5.2 Der Beginn der Epidemien im Jahr 1916 Kein Zugriff
        1. 5.3.1 Zeitlicher und räumlicher Verlauf der Ruhrepidemie Kein Zugriff
        2. 5.3.2 Die Verbreitung der Ruhr in Haina: begünstigende Faktoren Kein Zugriff
        3. 5.3.3 Ruhr im Zusammenspiel mit anderen Infektionserkrankungen: die Krankengeschichte von Otto Zacharias Kein Zugriff
        4. 5.3.4 Die Ruhrepidemie in Haina im Vergleich zu anderen psychiatrischen Einrichtungen Kein Zugriff
        1. 5.4.1 Verlauf und Verteilung der Typhuserkrankungen Kein Zugriff
        2. 5.4.2 Schwierigkeiten bei der Isolation: der Infektionsvorgang des Patienten Christoph Scheel Kein Zugriff
        3. 5.4.3 Typhusimpfung und weitere therapeutische Ansätze Kein Zugriff
        1. 5.5.1 Die Bedeutung der Tuberkulose für die Sterblichkeit der Patienten Kein Zugriff
        2. 5.5.2 Die Verbreitung der Tuberkulose: «eigenartige Verhältnisse», Co-Infektionen und Hunger Kein Zugriff
      1. 6.1 Isolationsmaßnahmen Kein Zugriff
      2. 6.2 Therapieversuche Kein Zugriff
      3. 6.3 Impfungen Kein Zugriff
      4. 6.4 Verbesserung der hygienischen Verhältnisse Kein Zugriff
      5. 6.5 Verbesserung der Ernährung Kein Zugriff
      6. 6.6 Neuaufnahmen und Beurlaubungen Kein Zugriff
      1. 7.1 Die Errichtung eines Vereinslazaretts in Haina im Oktober 1914 Kein Zugriff
      2. 7.2 Der Diskurs um die Aufnahme von Kriegsgefangenen Kein Zugriff
      3. 7.3 Die Auflösung des Lazaretts in Haina im Mai 1917 Kein Zugriff
      1. 8.1 Die «Spanische Grippe» im Landeshospital Haina Kein Zugriff
      2. 8.2 Dr. Karl Wickel wird Direktor in Haina: Die allmähliche Rückkehr zum Normalzustand Kein Zugriff
      1. 9.1 Psychiatrische Krankheitskonzepte am Vorabend des Ersten Weltkrieges Kein Zugriff
        1. 9.2.1 Auftreten und Symptomatologie Kein Zugriff
        2. 9.2.2 Der Diskurs um die Ätiologie der Kriegsneurose Kein Zugriff
        3. 9.2.3 Die Kriegstagung des Deutschen Vereins für Psychiatrie Kein Zugriff
        4. 9.2.4 Therapieansätze Kein Zugriff
        5. 9.2.5 Die historische Rezeption der Debatte Kein Zugriff
      2. 9.3 Der psychiatrische Diskurs in Haina während der Kriegsjahre Kein Zugriff
        1. Krankengeschichte Kein Zugriff
        2. Ätiologische Überlegungen zur Erkrankung Johann Stiehls Kein Zugriff
        1. Krankengeschichte Kein Zugriff
        2. Die Bedeutung der Diagnose Dementia paralytica Kein Zugriff
        3. Der Einfluss des Krieges auf die Gesundheit von August Lauterbach Kein Zugriff
        1. Krankengeschichte Kein Zugriff
        2. Diagnose Depression: Konzeption der Erkrankung Otto Jungnickels Kein Zugriff
        3. Psychische und körperliche Folgen der Hungersnot Kein Zugriff
        1. Krankengeschichte Kein Zugriff
        2. Schizophrenie und Krieg: zeitgenössische Konzeption und weitere Krankheitsgeschichten Kein Zugriff
        3. Militärischer und therapeutischer Umgang mit einem Schizophreniepatienten Kein Zugriff
        1. Krankengeschichte Kein Zugriff
        2. Hysterie, Schwachsinn, Epilepsie: Diagnosen und Konzeptionen der Erkrankung von Friedrich Muth Kein Zugriff
        1. Exkurs: Die «Aktion T4»: psychisch kranke Soldaten des ErstenWeltkrieges in Tötungsanstalten der Nationalsozialisten Kein Zugriff
        2. Das Schicksal von Wilhelm Schweinsberger Kein Zugriff
      1. 10.7 Fazit: Der Erste Weltkrieg im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen im Landeshospital Haina Kein Zugriff
        1. Personalmangel Kein Zugriff
        2. Hunger Kein Zugriff
        3. Infektionserkrankungen Kein Zugriff
      1. 11.2 Psychiatrische Auswirkungen des Ersten Weltkrieges Kein Zugriff
      2. 11.3 Zusammentreffen versorgungstechnischer und psychiatrischer Kriegsauswirkungen Kein Zugriff
        1. Dr. Schürmann Kein Zugriff
        2. Dr. Giese Kein Zugriff
        3. Dr. Gerling Kein Zugriff
      3. 11.5 Der Umgang mit der Notlage in Haina im Gesamtkontext: ein «Ausnahmefall»? Kein Zugriff
      4. 11.6 Fazit: Psychiatrie und Erster Weltkrieg aus einrichtungsspezifischer Perspektive Kein Zugriff
    1. 12 Zusammenfassung Kein Zugriff
    2. 13 Abstract Kein Zugriff
    3. 14 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Kein Zugriff
        1. Hessisches Staatsarchiv Marburg [HStAM] Kein Zugriff
        2. Archiv des Landeswohlfahrtsverbands Hessen [LWV-Archiv] Kein Zugriff
        1. Primärliteratur Kein Zugriff
        2. Sekundärliteratur Kein Zugriff

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