Um den Unterhalt kämpfen!
Junge Volljährige im Rechtsstreit gegen ihre Väter- Autor:innen:
- Reihe:
- Münchner ethnographische Schriften, Band 35
- Verlag:
- 2022
Zusammenfassung
„Für mich ist das heute noch eine Geschäftsbeziehung mit gewissen Vorzügen“ (Dorian),„Eigentlich habe ich mich mit ihm immer ganz gut verstanden. Aber bei solchen Belangen kannst du es vergessen“ (Chiara). Was hier nach Einblicken in zwischenmenschliche Krisen im Arbeitskontext klingt, bezieht sich tatsächlich auf eine innerfamiliäre Transferaushandlung zwischen Kindern und ihren Vätern. Felix Gaillinger geht in seiner ethnographischen Studie der Frage nach, wie junge Erwachsene einen (Rechts-)Streit um Unterhalt gegen ein Elternteil führen. Im Zentrum stehen junge Volljährige in Ausbildung, die sich vor allem gegenüber ihren Vätern positionieren, die nach dem 18. Geburtstag aus verschiedenen Gründen keinen Unterhalt zahlen. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit müssen sich junge Erwachsene selbst vertreten; Jugendamt und Eltern sind juristisch höchstens noch in einer beratenden Funktion aktiv. Damit beginnt von einem Tag auf den anderen eine konflikthafte Phase, in der Kinder zwar als erwachsen gelten, sich ihr Alltag und ihre Abhängigkeit von elterlichen Zuwendungen aber nicht gewandelt haben. Mit der Gesetzeslage und der prinzipiellen Unterhaltssituation der Ein-Eltern-Familien, in denen traditionelle Geschlechterrollen und strukturelle Ungleichheiten bestehen, werden aus passiv adressierten Kindern politisch und rechtlich aktivierte Subjekte im prekären Lebenszusammenhang. Wie wird mit Vätern, Jugendamt oder auch Anwält:innen kommuniziert? Wie gelingt es den jungen Erwachsenen, die Diskrepanz zwischen einerseits Emotionen, familiären Logiken und innerfamiliären Machtverhältnissen und andererseits der kühlen Ratio eines juristischen Vorgehens entlang der Gesetzeslage auszuhandeln? Durch die Analyse von Gesetzestexten, medialen Auszügen und Interviews mit jungen Volljährigen und institutionellen Rechtsberatenden sowie Briefen an die Väter eröffnet Felix Gaillinger ein für die Empirische Kulturwissenschaft neues Forschungsfeld im Schnittpunkt von Rechtsanthropologie, Prekarisierungs- und Familienforschung.
Reihe
Münchner ethnographische Schriften - Band 35
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2022
- ISBN-Print
- 978-3-8316-4959-4
- ISBN-Online
- 978-3-8316-7707-8
- Verlag
- utzverlag, München
- Reihe
- Münchner ethnographische Schriften
- Band
- 35
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 132
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 8
- 1.1 Nicht mehr und noch nicht – Subjekte am Rande des Diskurses Kein Zugriff
- 1.2 Das Feld: Volljährig. Klassistisch. Gesetz(t) Kein Zugriff
- 1.3 Forschungsstand: Doing kinship. Transferbeziehungen. Legal anthropology Kein Zugriff
- 2.1 Forschen mit und im Recht Kein Zugriff
- 2.2 Zugang, Sampling und Triangulation: Mit Erfahrung über erfahrene Konflikte sprechen Kein Zugriff
- 2.3 Subjektivität: Normativen und moralischen Setzungen begegnen Kein Zugriff
- 2.4 Interviewbasierte Fallanalysen und objektivierbare Strukturen Kein Zugriff
- 3.1 Unterhalt. Upkeep. Sustentation Kein Zugriff
- 3.2 Mit: Bedürftigkeit. Leistungsfähigkeit. Auskunftspflicht Kein Zugriff
- 3.3 Ohne: Unterhaltsvorschuss. Beistandschaft. Priorität Kein Zugriff
- 3.4 Aktivierte Unterhaltsstreitende im prekären Lebenszusammenhang Kein Zugriff
- 4.1.1 Nur vermuten – das Gegenüber im Pejorativ betrachten Kein Zugriff
- 4.1.2 Ohnmächtig hantieren – zur (medialen) Anrufung des Rabenvaters Kein Zugriff
- 4.1.3 Selbstermächtigt Wissen instrumentalisieren – Antizipation moralischer Angriffe Kein Zugriff
- 4.1.4 Praktische Hilfe suchen – mit institutionellen Bündnispartnern das rechtlich Kodifizierte umgehen Kein Zugriff
- 4.2.1 Sich „einfach“ einigen – zur sparsamen Ökonomie des Wissenseinsatzes Kein Zugriff
- 4.2.2 „Öffentlich“ und „männlich“ verhandeln – die Unterhaltsfrage als Projekt zweier Geschäftspartner Kein Zugriff
- 4.2.3 Auf Informationen verzichten – Uninformiertheit als Lizenz zum Regelbruch Kein Zugriff
- 4.3.1 Am Hier und Jetzt orientieren – „Schwamm“ über intransparente Entscheidungen Kein Zugriff
- 4.3.2 An die Öffentlichkeit gehen – ambivalente Erfahrungen mit Unterstützungsstrukturen Kein Zugriff
- 4.3.3 „Unterschriftsreife Schreiben“ produzieren – die Unterhaltsberatung im Stadtjugendamt Kein Zugriff
- 4.3.4 Emotionen rationalisieren – die Rechtsberatung im Jugendinformationszentrum Kein Zugriff
- 4.3.5 Schriftlich Druck ausüben – Verbindlichkeiten erzeugen im asynchronen Aushandeln Kein Zugriff
- 4.3.6 Sich sprachmächtig ausdrücken – semantisch an der Gerechtigkeitsbeziehung arbeiten Kein Zugriff
- 5 Zwischen Rationalisierung und Emotionalisierung. Zur Kontraktualisierung sozialer Beziehungen im Unterhaltskonflikt Kein Zugriff Seiten 106 - 112
- 6 Literatur Kein Zugriff Seiten 113 - 125
- 7 Abbildungsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 126 - 126
- 8 Quellen Kein Zugriff Seiten 127 - 132





