
Georg Simmels Ästhetik
Autonomiepostulat und soziologische Referenz- Autor:innen:
- Verlag:
- 21.08.2017
Zusammenfassung
Georg Simmel (1858-1918) ist nicht nur einer der zentralen Begründer der Soziologie, sondern trug auch eine einflussreiche Ästhetik vor, die Wege in die Moderne wies. Simmels Ansatz ist doppelt ausgerichtet: Der säkular gearbeiteten und bis heute höchst erfolgreichen soziologischen Ästhetik, die der Grundorientierung am Konzept sozialer Wechselwirkung folgt und hier u.a. an Hand der Stadtporträts und der Koketterie verfolgt wird, steht eine in ihrem Gesamtprofil bisher nicht erfasste, emphatische Kunstphilosophie kulturalistischer Ausprägung gegenüber, die Artefakte als Schauseite der Metaphysik im Modus einer spezifischen Weltgründungskunst versteht. Negation der Arbeitsteilung, Formwerdung als kreativistische Entäußerung der ›Seele‹ sowie der Versuch einer Synthese von Werk- als Wirkungsästhetik mit ihrem Kern der Bedeutungsintensität sind einige Leitbegriffe, die u.a. unter Rekurs auf Goethe, den noch immer unbeachteten »Michelangelo«-Essay und die Bildreflexion des Rembrandt entfaltet werden, womit die Grenzen und Chancen von Simmels Denken radikaler Autonomie der Kunst um 1900 bestimmt werden können. Der Kunstphilosoph Simmel konturiert sich sowohl als esoterischer Hermeneutiker als auch früher Vertreter dezidiert existenzialer Ästhetik. Die kritische Würdigung von Simmels Anregungen zeigt in exemplarischen Analysen die Fruchtbarkeit Simmelschen Denkens in Kunsthistorie, liberalkonservativer Kulturtheorie und Frankfurter Schule. Simmels Ästhetik beeinflusste nachweislich Stiltypologie (Richard Hamann), ›empirische Kunstwissenschaft‹ (Max Raphael), selbst noch avantgardistische Weltentwürfe nach Maßgabe ästhetischer Erfahrung (Carl Einstein) sowie die Verteidigung der ›Gesellschaft‹ des frühen Helmuth Plessner und Ortega y Gassets kulturkritisches Räsonnement. Der Aufweis von Walter Benjamins Transformation Simmelscher Denkfiguren und Gegenstände (Choc, Mode, Allegorie) sowie Adornos Umkreisungen ästhetischer Metaphysik leiten über zur Rekonstruktion von Siegfried Kracauers Simmel-Deutung als symptomatisch für den neuen, mit der Klassischen Moderne zeitgleichen philosophischen Radikalismus – doch erst Ginster zeichnet als ›Aufstand der Sachen‹ eine aus Simmels Sicht vollständig verkehrte Welt.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2017
- Erscheinungsdatum
- 21.08.2017
- ISBN-Print
- 978-3-95832-099-4
- ISBN-Online
- 978-3-8452-8743-0
- Verlag
- Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 396
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 26
- Einleitung als Problemaufriss: Dominanz des sozioästhetischen Konnexes Kein Zugriff Seiten 27 - 41
- Simmel und die klassische deutsche Philosophie Kein Zugriff
- Distanz zur zeitgenössischen Philosophie und Ästhetik Kein Zugriff
- Zur Rekonstruktion der Lebensphilosophie Kein Zugriff
- Geschichte, Kunst und Verstehen bei Simmel und Dilthey Kein Zugriff
- Simmels Lebensphilosophie: theorieinterne Wende oder bloße Attitüde? Kein Zugriff
- Kriegsschriften und Kunstphilosophie Kein Zugriff
- Formung und Ent-Formung (Landschaft/Ruine) Kein Zugriff
- Leben und Form im Gleichgewicht: Die Goethe-Monografie (ästhetische Existenz) Kein Zugriff
- »Michelangelo«: Leben transgrediert Form Kein Zugriff
- Die Stadtporträts: »Rom« – »Florenz« – »Venedig« Kein Zugriff
- Die Mode Kein Zugriff
- Die Koketterie in Literatur und Theorie Kein Zugriff
- Simmel und die Frauen Kein Zugriff
- »Die Koketterie« Kein Zugriff
- Nachsatz: Soziologische Ästhetik oder ästhetische Soziologie? Kein Zugriff
- Ein Sortierungsversuch: Simmels Marginalisierung der Ästhetik in der ›großen‹ Soziologie (1908) Kein Zugriff Seiten 184 - 202
- Vorverständigung: Lektüren und Bezüge Kein Zugriff
- George-Essays Kein Zugriff
- Stilfragen Kein Zugriff
- Weder Schönheit noch Mimesis Kein Zugriff
- Produktionsmetaphysik Kein Zugriff
- Generalisierung des poietischen Akts: Die Seele Kein Zugriff
- Ästhetische Produktion als Negation der Arbeitsteilung Kein Zugriff
- Werk- als Wirkungsästhetik Kein Zugriff
- »Bedeutungsintensität« Kein Zugriff
- Stimmung als Kategorie der Einheit ästhetischer Erscheinung Kein Zugriff
- Funktion der Kunst: Weltgründen und -Fühlen Kein Zugriff
- Rembrandt und die Metaphysik des Bildes Kein Zugriff
- Grenzen der Simmelschen Kunstphilosophie: Impressionismus und Anbruch der Klassischen Moderne Kein Zugriff
- Richard Hamanns Versuch einer Stiltypologie als Zeitkritik Kein Zugriff
- Carl Einsteins Programmatik Kein Zugriff
- Max Raphaels Weg zur »empirischen Kunstwissenschaft« Kein Zugriff
- Liberalkonservative Kulturpoetik: Helmuth Plessners Grenzen der Gemeinschaft Kein Zugriff
- Popularisierung: José Ortega y Gasset Kein Zugriff
- Vom Chock zur Mode zur Allegorie: Benjamins geschichtsphilosophische Belehnung Simmelscher Motive Kein Zugriff
- Adorno: ästhetische Metaphysik, Naturschönes, Form Kein Zugriff
- Kracauers Simmel-Deutung Kein Zugriff
- »Aufstand der Sachen«: Ginster als Finale Kein Zugriff
- Epilog Kein Zugriff Seiten 343 - 352
- Literaturverzeichnis Kein Zugriff Seiten 353 - 392
- Siglen zur Georg Simmel Gesamtausgabe Kein Zugriff Seiten 393 - 396



