Industrielle Beziehungen sind jene Netzwerke, Institutionen und Systeme, in die die verschiedenen Akteurinnen und Akteure der Arbeitswelt eingebunden sind und mit denen sie ihre wirtschaftlichen Austauschverhältnisse und sozialen Konfliktbeziehungen faktisch gestalten und normativ regeln. Es reicht heute nicht mehr aus, diese Akteurinnen und Akteure mit dem traditionellen dichotomischen Modell von Kapital und Arbeit zu beschreiben; ihre mannigfache Ausdifferenzierung in Rollen, Koalitionen und Organisationen sowie ihre zunehmende Interdependenz machen komplexere Analysekonzepte erforderlich. In angelsächsischen Ländern konnten sich Industrial Relations schon früh als eigenständiges Wissenschafts- und Praxisgebiet etablieren. Im deutschen Sprachraum fand dieses Feld nur bei einem kleinen Kreis von Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen Aufmerksamkeit, obwohl die deutsche institutionelle Lösung des industriellen Konflikts wegen seines Erfolgs in vielen Ländern mit großem Interesse studiert wurde. In jüngster Zeit wird den industriellen Beziehungen auch in Deutschland größere Aufmerksamkeit gewidmet. Es sind vor allem die organisatorischen und technischen Umwälzungen in der Arbeitswelt und die politischen Veränderungen in Europa, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Praktikerinnen und Praktiker vor neue Herausforderungen stellen. Die europäische Einigung provoziert den Vergleich der historisch herausgebildeten nationalen Systeme industrieller Beziehungen und wirft die Frage auf nach ihrer Leistungsfähigkeit für die Konflikt- und Problemverarbeitung in einer dynamischen, vom globalen Wettbewerb bestimmten Wirtschaft. Industrielle Beziehungen werden nunmehr auch als zentrale Aufgabe des Managements gesehen. Der Untertitel – Arbeit, Organisation und Management – trägt diesen Veränderungen Rechnung. Die Zeitschrift will den genannten Wandel zum Thema machen und bietet allen an den industriellen Beziehungen Interessierten ein aktuelles Forum der Analyse und Diskussion. Es erscheinen 4 Ausgaben pro Jahr. Zielgruppen: Wissenschaft: Industriesoziolog:innen, Wirtschaftssoziolog:innen, Arbeitsoziolog:innen, Organisationssoziolog:innen, Betriebswirt:innen, Volkswirt:innen; Praktiker aus den Bereichen Management, Digitalisierung, Industrie.
Der Beitrag beschäftigt sich mit der betrieblichen Mitbestimmung in der Corona-Krise. Vor dem Hintergrund einer theoretischen Perspektive, die die politische Ökonomie der Mitbestimmung mit der politischen Kultur der Austauschbeziehungen verbindet,...
Der vorliegende Beitrag untersucht Neuerungen und damit einhergehende Spannungsfelder hinsichtlich der Ausweitung mobiler Arbeit im Zuge der COVID-19-Krise aus der Perspektive von Betriebsrät*innen in industriellen Branchen. Adressiert wird die...
In Anschluss an und kritischer Auseinandersetzung mit der Industrial-Relations- sowie der Care-Forschung beschäftigt sich der Beitrag mit Arbeitskonflikten „neben“ und „unterhalb“ öffentlich-sichtbarer Arbeitskämpfe in der Care-Arbeit am...
In arbeitssoziologischen Studien wurde Rassismus bisher vergleichsweise selten analysiert. Die vorliegenden Analysen legen den Fokus auf arbeitsweltliche Prinzipien von Konkurrenz, Kooperation, Leistung oder Ausbeutung. Der Artikel argumentiert...