
Solidarität in zerbrechlicher Gesellschaft
Soziale Schichtung und Mobilität in Deutschland- Autor:innen:
- Verlag:
- 2019
Zusammenfassung
Alle reden von der fortschreitenden Polarisierung großer Gruppen der Gesellschaft. Eine sich fast unaufhaltsam öffnende „Schere zwischen Arm und Reich“ hat sich, kaum hinterfragt und durch statistische Fakten nur schwer zu irritieren, als Metapher eines kritischen Zeitgeistes zur Selbstverständlichkeit ausgeformt. Solidarität, dieses tätige Miteinander, soll den Ausweg weisen aus dem Irrweg eines entfesselten Individualismus wie gefährdeter sozialer Sicherheiten. Soziologen mischen in diesem Diskurs kräftig mit. Sie beschwören die Wiedergeburt der „Klassengesellschaft“ (Eribon), sympathisieren mit dem „Aufbegehren“ gegen die „Abstiegsgesellschaft“ (Nachtwey) oder preisen umgekehrt den Eigensinn einer aus „Singularisten“ bestehenden „neuen Mittelklasse“ gegen gleichförmige Erstarrungen (Reckwitz). Was bedeutet in diesem Kontext Solidarität in sich wandelnden Konfliktkonstellationen und neuartigen gesellschaftlichen Konfigurationen heute? Ist sie als vermeintlich bewährtes Handlungskonzept einer geeinten wie kämpferischen „Arbeiterklasse“ oder auch nur als ursprünglicher Markenkern des Gewerkschaftlichen herabgesunken auf den Status eines vergeblichen gesamtgesellschaftlichen Harmoniestrebens? Erschöpft sie sich gar in der Barmherzigkeitsethik christlicher Nächstenliebe? Der Autor erörtert diese Fragen zunächst in einer kritischen Auseinandersetzung mit Grundlinien neuerer soziologischer Studien zu gesamtgesellschaftlichen Strukturen und den darin eingeschlossenen Chancen sozialer Mobilität. Dabei legt er besonderen Wert auf die Klärung soziologisch gebräuchlicher Kategorien der Schichtungsanalyse vor dem Hintergrund solider erfahrungswissenschaftlicher Befunde. Dann führt er den Begriff der Solidarität auf seinen gewerkschaftlichen Ursprung zurück, um von da aus den Blick freizulegen auf sein recht widersprüchliches Bedeutungspotential in der aktuellen Debatte. Schließlich zeigt er, gestützt auf eigene empirische Erhebungen im Kreis von Nachwuchskräften für ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit, wie wichtig und zugleich beschwerlich Solidarität als organisierte wechselseitige Unterstützung in einer ausdifferenzierten Gesellschaft zu realisieren ist, wenn sie ihre Voraussetzungen ernst nimmt: das gleichrangige Aushandeln gemeinsamer Interessen. So gesehen ist und bleibt Solidarität so zerbrechlich wie die ganze Gesellschaft und das darin eingeschlossene alltägliche Miteinander.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2019
- ISBN-Print
- 978-3-95710-249-2
- ISBN-Online
- 978-3-95710-349-9
- Verlag
- Hampp, Baden-Baden
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 277
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten I - VII
- Einleitung Kein Zugriff Seiten 1 - 7
- 1. Zur Kritik der Salon-Soziologie Kein Zugriff
- 2. Zur Kontroverse über soziale Schichtung der modernen Gesellschaft in der Soziologie Kein Zugriff
- 3. Sozialer Aufstieg hat seinen Preis Kein Zugriff
- 1. Darstellung und Kritik zentraler Aussagen Kein Zugriff
- 2. Zu einigen empirischen Evidenzen ungleich verteilter Lebenschancen Kein Zugriff
- 3. Soziale Mobilität im Prozess des historischen Wandels Kein Zugriff
- 1. Das Einzigartige überwindet das Gewöhnliche Kein Zugriff
- 2. Kritik Kein Zugriff
- 1. Bernd Riexinger: Alter Wein in neuen Schläuchen? Kein Zugriff
- 2. Oliver Nachtwey: Wie schwierig Solidarität in der Abstiegsgesellschaft sein kann Kein Zugriff
- 3. Solidarität – Versuch einer begrifflichen Klärung Kein Zugriff
- 4. Ehrenamtliche Gewerkschafter – Hoffnungsträger entfalteter Solidarität? Kein Zugriff
- 1. Boltanski/Chiapello: Die zerbrechliche Gesellschaft erzwingt komplexe Solidarität Kein Zugriff
- 2. Solidaritätspotentiale ehrenamtlicher Gewerkschafter Kein Zugriff
- 3. Zusammenfassende Schlussfolgerungen Kein Zugriff
- Anhang Kein Zugriff Seiten 262 - 272
- Literaturverzeichnis Kein Zugriff Seiten 273 - 277



