
Gewalt ohne Grund
Über die narrative Bewältigung von Amokläufen- Autor:innen:
- Verlag:
- 01.11.2016
Zusammenfassung
Amokläufe sind Beispiele für vermeintlich »grundlose« Gewaltereignisse, die einen ernsten gesellschaftlichen Erklärungsnotstand hervorrufen. Die Beliebigkeit von Tätern und Opfern, das Fehlen von verständlichen Motiven sowie die Ausführung der Taten als rational geplante Exzesse werden in modernen Wissens- und Risikogesellschaften, in denen nichts ohne letzte Ursache bleiben darf, zur Anomalie. Das vorliegende Buch beschäftigt sich aus kultursoziologischer Perspektive mit der gesellschaftlichen Bewältigung von Amokläufen. Es thematisiert die sozialen Mechanismen und narrativen Muster, die aus der »grundlosen« Gewalt Sinn und Bedeutung schöpfen. Die Studie folgt daher einem konstruktivistischen Paradigma. Ihr Ziel ist es nicht, einen Erklärungsversuch zu unternehmen, sondern die Debatte um Amokläufe selbst deutend zu verstehen, um aus den Ergebnissen Erkenntnisse in Bezug auf das Selbstverständnis der Gesellschaft zu gewinnen. Inhaltlich gliedert sich die Arbeit in drei Abschnitte. Aus einer historischen Perspektive wird der Ursprung des archaischen Amoklaufs im südostasiatischen Raum beleuchtet und mit den ersten modernen, als »Amokläufe« beschriebenen Ereignissen in Deutschland und Amerika verglichen. Den theoretischen Zugang bildet die Auseinandersetzung mit Phänomenen des Außerordentlichen: Ereignis und Erzählung, Gewalt und Überschreitung, Risiko und Solidarität. Von besonderer Bedeutung sind die Erkenntnis, dass es bislang wenig systematische Auseinandersetzungen mit dem Problem der Grund- und Sinnlosigkeit in der (Gewalt-)Soziologie gibt sowie Vorschläge, diesem Desiderat kultursoziologisch beizukommen. In der empirischen Analyse wird die printmediale Berichterstattung über die deutschen Amokläufe von Erfurt (2002) und Winnenden (2009) mit den Methoden der qualitativen Inhalts- und Narrationsanalyse untersucht. In den Debatten um Ursachen und Motive, Schuld und Verantwortung sowie Sicherheit und Prävention zeigt sich, wie gerade das vermeintlich »Sinnlose« zur Sinnstiftung zwingt und das bedrohliche »Nichts« eine Überfülle an Bedeutung produziert.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2016
- Erscheinungsdatum
- 01.11.2016
- ISBN-Print
- 978-3-95832-097-0
- ISBN-Online
- 978-3-7489-2665-8
- Verlag
- Velbrück Wissenschaft, Weilerswist
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 308
- Produkttyp
- Monographie
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 10
- Vorwort Kein Zugriff Seiten 11 - 12
- ›Ganz normale Jugendliche‹ Kein Zugriff
- Überblick Kein Zugriff
- Die Frühgeschichte des archaischen Amoklaufs Kein Zugriff
- Das kranke Individuum Kein Zugriff
- Die kranke Gesellschaft Kein Zugriff
- Institutionen, soziales Umfeld und kollektive Akteure Kein Zugriff
- Die Entschuldung des Täters oder: Die Abwesenheit des Bösen? Kein Zugriff
- Die kulturelle, soziale und historische Konstruktion moderner Amokläufe Kein Zugriff
- Eigene Perspektive und Arbeitsdefinition Kein Zugriff
- Forschungsfragen Kein Zugriff
- Datenmaterial und Methode Kein Zugriff
- Fremdheit und Exotik. Reiseberichte aus dem 16. Jahrhundert und Amok-Krieger in Batavia Kein Zugriff
- Exkurs: Mythos und Ritual. Der kěris als erste Waffe des Amok Kein Zugriff
- Amok als ›Culture-Bound Syndrome‹ Kein Zugriff
- Kulturelle Konditionierung von Amok und ritueller Ehrerwerb Kein Zugriff
- Amok als Störung und ›grundloses Verbrechen‹ Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Bremen am 20. Juni 1913 – Ernst Schmidt Kein Zugriff
- Degerloch am 4. September 1913 – Ernst August Wagner Kein Zugriff
- Köln-Volkhoven am 11. Juni 1964 – Walter Seifert Kein Zugriff
- Austin, Texas am 1. August 1966 – Charles Joseph Whitman Kein Zugriff
- Littleton, Colorado am 20. April 1999 – Eric Harris und Dylan Klebold Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Sinn und Sinnlosigkeit Kein Zugriff
- Ritual und Ereignis Kein Zugriff
- Erzählung und Diskurs Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Grenzen: Normalität, Abweichung und Ausnahme Kein Zugriff
- Motivlosigkeit und Selbstreferentialität Kein Zugriff
- Affektive Gewalt: Wut, Zorn, Exzess Kein Zugriff
- Exkurs: Achilles und Aias als literarische Furorsubjekte Kein Zugriff
- Beziehungslosigkeit, Gewaltsubjekt und die Gewalt des Symbolischen Kein Zugriff
- Eingrenzung: Sanktion, Narration und Performanz Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Verbrechen und Solidarität Kein Zugriff
- Unreinheit und Ansteckung Kein Zugriff
- Angst, Schuld und Moral Kein Zugriff
- Risikogesellschaft und kulturelle Ansätze Kein Zugriff
- Risiko, Gefahr und Betroffenheit aus systemtheoretischer Perspektive Kein Zugriff
- Prävention und Vorsorge Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Die Amokläufe von Erfurt und Winnenden Kein Zugriff Seiten 161 - 162
- Alltag und Ereignis Kein Zugriff
- Tatbeschreibungen Kein Zugriff
- Paradoxien der Sprachlosigkeit Kein Zugriff
- Rituale der Trauer Kein Zugriff
- Exkurs: ›Amok‹ als Metapher Kein Zugriff
- Täter Kein Zugriff
- Opfer Kein Zugriff
- H elden Kein Zugriff
- Experten Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Jörg K. vor Gericht Kein Zugriff
- Negative Zuschreibungen Kein Zugriff
- Positive Zuschreibungen Kein Zugriff
- Negative Zuschreibungen Kein Zugriff
- Positive Zuschreibungen Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Schulen als Brennpunkte der Gesellschaft Kein Zugriff
- Pisa, Schulsysteme und Bildungspolitik Kein Zugriff
- Prävention und Vorsorge Kein Zugriff
- Eltern und Familie Kein Zugriff
- Gesellschaft und Werte Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Transformation von Räumen Kein Zugriff
- Kollektives Erinnern und die Repräsentation der Opfer Kein Zugriff
- Zusammenfassung Kein Zugriff
- Vom Trauma zum Triumph Kein Zugriff
- In schlechter Gesellschaft Kein Zugriff
- Ohne Anfang kein Ende Kein Zugriff
- Von der Ent-Ritualisierung zur Re-Ritualisierung des Amoklaufs Kein Zugriff
- Ein Plädoyer für die Kategorien der ›Grundund Sinnlosigkeit‹ in der (Gewalt-) Soziologie Kein Zugriff
- Amok als ›flottierender Signifikant‹ Kein Zugriff
- Ausblick Kein Zugriff
- Literatur Kein Zugriff Seiten 287 - 303
- Personenregister Kein Zugriff Seiten 304 - 308



