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Was Europa kann

Die Vision des Erasmus von Rotterdam (1538–1600)
Autor:innen:
Verlag:
 2022

Zusammenfassung

Politische und konfessionelle Grenzen überwinden und eine neue europäische Gemeinschaft bilden: Dies war das Ziel des Erasmus von Rotterdam. Das Engagement, das der Humanist im Leben für religiöse und kulturelle Erneuerung als Gelehrter aufwendete, ist bekannt. Die Tätigkeiten der Erasmusstiftung, die die Ideale des Erasmus in konkrete Tätigkeit wandelte, sind allerdings weniger bekannt. Ein grenzenloser und religionsübergreifender Wandel in einer friedlichen Atmosphäre waren Sinn und Zweck seines Lebens. Dieser Gedanke erfüllte ihn bei seiner intellektuellen und pädagogischen Arbeit.

Daher war die Gründung einer Stiftung zur Unterstützung von Studenten, Verbannten, Gelehrten und Armen jeglicher Konfession in einem von Staatsgrenzen und religiösen Barrieren zersplitterten Europa eine wesentliche Konsequenzen seines kosmopolitischen Denkens.

Die Stiftung wurde 1538 mit dem Nachlass des Erasmus von dem berühmten Juristen Bonifacius Amerbach in der toleranten Stadt Basel gegründet: Schon im 16. Jahrhundert vergab sie viele Stipendien und Beihilfen an Menschen, ungeachtet deren Geschlechts, Glaubens oder Herkunftshintergrundes, die freiweillig oder aus Not in Europa umherzogen. In einem durch religiöse und staatliche Barrieren geteilten Europa stellte die Erasmus-Stiftung mit ihrer transnationalen und multikonfessionalen Bestimmung ein Unikat dar: ein kosmopolitisches Modell, das zur Festigung einer neuen gesellschaftlichen Ethik beitrug und auf das noch heute zurück gegriffen werden kann, um die Werte Solidarität, Kultur und Gastfreundschaft zu bekräftigen.

Noch eine andere Problematik wird bei der Beschäftigung mit der Erasmusstiftung erkennbar: die Toleranz der europäischen Gesellschaft in Theorie und Praxis. Neuere historische Studien zeichnen ein facettenreiches Bild des Zusammenlebens der unterschiedlichen Kulturen und Religionen im „Zeitalter der Konfessionen“. Der wachsenden Unversöhnlichkeit der Kirchen standen immer kühnere Theorien über religiöse und staatliche Freiheiten gegenüber, aber auch konkretes Handeln und der Wert des Allgemeinwohls überhaupt, die sich in einer möglichst friedlichen und toleranten Welt entwickeln sollten. Zuversichtlich hoffte man, damit Konflikte zu entschärfen, Konfessionsbarrieren zu überwinden und schließlich die Säkularisierung der europäischen Gesellschaft anzustoßen.

Das Verständnis der Gegenwart und die Planung der Zukunft hängen vom Wissen über die Vergangenheit ab. Die genauere Kenntnis der Erasmusstiftung vermag Argumente zu liefern gegen immer neu aufflammende nationalistische, religiöse und fanatische Tendenzen, die die Chancen einer gesellschaftlichen und persönlichen Verbesserung verhindern und den friedlichen europäischen Raum, der auf den Trümmern von schrecklichen Kriegen aufgebaut wurde, zerstören wollen. Die Abhandlung über ein Europa ohne Grenzen im Sinn von Erasmus ist eine Hommage an eine Gesellschaft, die auf Werte wie Dialog, Austausch und Inklusion setzt und in der sich die Vorstellung vom Weltbürger abzeichnet. Sie soll die Utopie des Humanisten von einer wahrhaft menschlichen Menschheit ins Gedächtnis rufen.

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Bibliographische Angaben

Copyrightjahr
2022
ISBN-Print
978-3-7410-0278-6
ISBN-Online
978-3-7410-0179-6
Verlag
Schüren, Marburg
Sprache
Deutsch
Seiten
316
Produkttyp
Monographie

Inhaltsverzeichnis

KapitelSeiten
  1. Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 6
    1. Literatur Kein Zugriff
  2. Einführung Kein Zugriff Seiten 11 - 18
    1. 1 Der Weltbürger Erasmus Kein Zugriff
    2. 2 Auf der Bühne der Welt: Der soziale Geist von Erasmus Kein Zugriff
    3. 3 Erasmus und die Situation der Frauen Kein Zugriff
    1. 1 Bonifacius Amerbach, Erasmus von Rotterdams Erbe Kein Zugriff
    2. 2 Die Gründung der Erasmus-Stiftung Kein Zugriff
    3. 3 Die neue Tendenz der Fürsorge im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation Kein Zugriff
    4. 4 Die Stiftungen «pro studiosis et pauperibus» Kein Zugriff
    5. 5 Weniger Armut durch mehr Wohltätigkeit Kein Zugriff
    1. 1 Basel Kein Zugriff
    2. 2 Die Stipendiaten der Erasmus-Stiftung Kein Zugriff
    3. 3 Stipendiaten und Verwalter der Erasmus-Stiftung – ein Geflecht an Beziehungen Kein Zugriff
    4. 4 Familiäre Bande – Empfängerdynastien Kein Zugriff
    5. 5 Perspektiven oder wie Stipendien aus der Erasmus-Stiftung helfen konnten, dem Leben eine Wende zu geben Kein Zugriff
    1. 1 Das Wirken der Erasmus-Stiftung – ein Überblick Kein Zugriff
    2. 2 Studenten Kein Zugriff
    3. 3 Schüler Kein Zugriff
    1. 1 Das Exil Kein Zugriff
      1. 2.1 Bittsteller aus dem Heiligen Römischen Reich Kein Zugriff
      2. 2.2 Aus England Kein Zugriff
      3. 2.3 Aus Frankreich Kein Zugriff
      4. 2.4 Aus den Niederlanden Kein Zugriff
      5. 2.5 Aus Italien Kein Zugriff
    1. 1 Schreiber und Schullehrer Kein Zugriff
    2. 2 Geistliche Kein Zugriff
    3. 3 Akademiker Kein Zugriff
    4. 4 Adlige auf Reisen Kein Zugriff
    1. 1 Das soziale Netz in Basel Kein Zugriff
    2. 2 «In usus pauperum»: Die Fürsorgetätigkeit der Stiftung Kein Zugriff
    3. 3 Die Armen der Erasmus-Stiftung Kein Zugriff
    4. 4 Frauen in Not Kein Zugriff
    5. 5 Mutterschutz: Fürsorge von Wöchnerinnen Kein Zugriff
    6. 6 «Puellae nupturae et adulescentes bonae spei»: Die Investition in die Zukunft junger Menschen Kein Zugriff
    7. 7 Überbrückungshilfen: Die Darlehen Kein Zugriff
  3. Fazit: Gibt es ein Europa unter dem Zeichenvon Erasmus? Kein Zugriff Seiten 289 - 290
  4. Abkürzungen Kein Zugriff Seiten 291 - 292
  5. I Satzung der Erasmus-Stiftung (ca. 1538) Kein Zugriff Seiten 293 - 304
    1. Studenten Ordnung Kein Zugriff
    2. Armen und Dochtern Ordnung Kein Zugriff
  6. III Artikel der Disziplin für Stipendiaten (Bonifacius Amerbach) Kein Zugriff Seiten 313 - 314
  7. IV Artikel der Disziplin für Stipendiaten (Basilius Amerbach) Kein Zugriff Seiten 315 - 316

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