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Das erzählte Selbst

Konturen einer interdisziplinären Theorie narrativer Identität. Ausgewählte Schriften (3 Bände)
Autor:innen:
Verlag:
 2019

Zusammenfassung

Band 1: Historische und aktuelle Sondierungen autobiografischer Selbstartikulation

Jürgen Straub erörtert Kernfragen einer Theorie personaler narrativer Identität und schickt die Leserschaft auf eine Reise, die von Montaigne bis Ricœur, von Nietzsche bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts führt. Die anhand empirischer und theoretischer Analysen von Selbst-Geschichten erörterte Identitäts- und Erzähltheorie zeigt, dass Identität als eine offene Struktur aufgefasst werden muss, in der es keine unantastbaren Festlegungen geben kann. Diese Identität kann von der Totalität abgegrenzt werden. Im einführenden Beitrag erörtert der Autor auch die totalitäre Idee einer imaginierten Gemeinschaft, die gegenwärtig in der Neuen Rechten Hochkonjunktur hat.

Das Selbst entsteht in einer soziokulturellen Praxis, in der das Geschichtenerzählen essenziell ist. Wir alle erzählen uns immer wieder neu. Im Lauf der Zeit ändert sich der Blick auf unser gelebtes und das noch erwartete Leben. Was dabei stets gleich bleibt, ist die zutiefst menschliche Tatsache, dass wir auf Anerkennung angewiesen sind. Im Erzählen verwandeln wir leibliche Erlebnisse in mitteilbare Erfahrungen, wodurch wir andere an unserer Existenz teilhaben lassen. Dabei gewinnen wir Einsichten in unser Leben, verstricken uns aber auch in Selbsttäuschungen. Selbst-Erzählungen bilden den Boden, auf dem nicht nur das Selbstgefühl des Individuums, sondern auch seine Beziehungen gedeihen können.

Band 2: Begriffsanalysen und pragma-semantische Verortungen der Identität

Wir alle erzählen uns immer wieder neu und bilden auf diese Weise unsere personale Identität beständig um. Paradoxerweise können wir uns nur dadurch erhalten, dass wir uns fortlaufend verändern. Die personale Identität spätmoderner Subjekte ist eine extrem dynamische, in sich differenzierte Struktur. Diese durch Offenheit charakterisierte Form der kommunikativen Selbstbeziehung einer Person wird im vorliegenden Buch eingehend analysiert. Dabei zeigt sich nicht zuletzt: Der spätmoderne Identitätsbegriff passt zu den liberalen, demokratischen Gesellschaften, in denen er entstanden ist. Personale Identität ist ein Politikum. Viele Eigenheiten, auch die ethischen und moralischen Fundamente unseres heutigen Lebens, blieben ohne Bezugnahme auf diese eigentümliche Selbst-Form der transitorischen Identität unverständlich.

Jürgen Straub erörtert Kernfragen einer Theorie personaler narrativer Identität. Dabei setzt er sich mit zahlreichen AutorInnen auseinander, die die theoretische Debatte bis heute prägen und bereichern. Zu ihnen gehören etwa William James, George H. Mead, John Dewey oder Hans Joas, Charles Taylor, Paul Ricœur, Harry Frankfurt, Käte Meyer-Drawe und natürlich Sigmund Freud, Erik H. Erikson, Heinz Kohut sowie andere Größen der Psychoanalyse.

Band 3: Zeitdiagnostische Klärungen und Korrekturen postmoderner Kritik

Der Begriff der personalen Identität ist seit langem heiß umkämpft. In der Postmoderne versuchen zahlreiche KritikerInnen das diffuse Konzept zu verwerfen und loszuwerden. Es sei, so sagen sie in spektakulären Zeitdiagnosen, hoffnungslos überaltert. Es habe seine Passform für unsere Gegenwart verloren. Die anachronistische Idee der Identität sei außerdem moralisch zweifelhaft und politisch prekär, weil sie Einzelne in ein stahlhartes Gehäuse einsperre. Dort regierten Disziplinar- und Kontrolldispositive, für die eine Leid erzeugende, körperliche Bedürfnisse, sinnliche Begehren und leidenschaftliche Wünsche unterdrückende Vernunft verantwortlich zeichne. Von der Emanzipation und Autonomie dieser unterworfenen, abhängigen Subjekte könne keine Rede mehr sein.

Jürgen Straub widerspricht dieser Zeitdiagnose entschieden. Er befasst sich mit empirischen Defiziten, begrifflichen Ungereimtheiten und theoretischen Inkonsistenzen, aber auch mit normativen Problemen der grassierenden Kritik an Identitätstheorien. Dabei setzt er sich mit prominenten VertreterInnen dieser Kritik auseinander, etwa mit Kenneth Gergen, Hubert Hermans und Harry Kempen, mit Wolfgang Welsch oder Heiner Keupp. Es zeigt sich, dass klassischen VertreterInnen des identitätstheoretischen Denkens – etwa Erik H. Erikson oder Jürgen Habermas – häufig unhaltbare, mitunter groteske Vorwürfe gemacht wurden. Dies schützt allerdings weder diese noch andere AutorInnen vor berechtigten Einwänden, denen eine hinreichend komplexe, zeitgenössische Theorie des erzählten Selbst und personaler Identität vorzubeugen hat.

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Bibliographische Angaben

Copyrightjahr
2019
ISBN-Print
978-3-8379-2821-1
ISBN-Online
978-3-8379-7443-0
Verlag
Psychosozial-Verlag, Gießen
Reihe
Diskurse der Psychologie
Sprache
Deutsch
Seiten
III_248
Produkttyp
Monographie

Inhaltsverzeichnis

KapitelSeiten
    1. Inhalt Kein Zugriff Seiten I_1 - I_6
    2. Vorwort Kein Zugriff Seiten I_7 - I_12
    3. Sich selbst erzählen – Identität bilden Kein Zugriff Seiten I_13 - I_54
    4. Montaigne, die multiple Persönlichkeit und andere Formen kultureller Selbstbeschreibung Kein Zugriff Seiten I_55 - I_98
    5. Geschichte, Identität und Lebensglück Kein Zugriff Seiten I_99 - I_142
    6. Lost and Found in Translation Kein Zugriff Seiten I_143 - I_192
    7. Ein Selbstbildnis erzählen Kein Zugriff Seiten I_193 - I_226
    8. Kann ich mich selbst erzählen – und dabei erkennen? Kein Zugriff Seiten I_227 - I_334
    9. Wie erklären wir einen Mord? Kein Zugriff Seiten I_335 - I_362
    10. Drucknachweise Kein Zugriff Seiten I_363 - I_364
    1. Inhalt Kein Zugriff Seiten II_1 - II_6
    2. Vorwort Kein Zugriff Seiten II_7 - II_12
    3. Identität als psychologisches Deutungskonzept Kein Zugriff Seiten II_13 - II_42
    4. Identität und Sinnbildung Kein Zugriff Seiten II_43 - II_104
    5. Identität Kein Zugriff Seiten II_105 - II_164
    6. Erstrebte und ersehnte Identität Kein Zugriff Seiten II_165 - II_200
    7. Identität und andere Formen des kulturellen Selbst Kein Zugriff Seiten II_201 - II_230
    8. Personale Identität als Politikum Kein Zugriff Seiten II_231 - II_270
    9. Drucknachweise Kein Zugriff Seiten II_271 - II_272
    1. Inhalt Kein Zugriff Seiten III_1 - III_6
    2. Vorwort Kein Zugriff Seiten III_7 - III_14
    3. Identitätstheorie im Übergang? Kein Zugriff Seiten III_15 - III_54
    4. Autonomie, narrative Identität und die postmoderne Kritik des sozialen Konstruktionismus Kein Zugriff Seiten III_55 - III_116
    5. Personale Identität Kein Zugriff Seiten III_117 - III_160
    6. Identitätstheorie, empirische Identitätsforschung und die »postmoderne« Armchair psychology Kein Zugriff Seiten III_161 - III_200
    7. Der »flexible Mensch« Kein Zugriff Seiten III_201 - III_218
    8. Zerbrochene Narrative, fluide Identitäten Kein Zugriff Seiten III_219 - III_244
    9. Drucknachweise & Literaturhinweise Kein Zugriff Seiten III_245 - III_248

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