
Ähnlichkeit
Ein kulturtheoretisches Paradigma- Herausgeber:innen:
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- Reihe:
- Konstanz University Press
- Verlag:
- 2021
Zusammenfassung
Bereits die postkolonialen Theorien der vergangenen Jahrzehnte haben das Konzept der Identität einer grundlegenden Kritik unterzogen. In ihrem Zentrum stand der Begriff der Differenz, der jedoch in vielfältiger Weise den kolonialen Denkformen verhaftet bleibt. Denn wo Alterität und Hybridität betont werden, verändern sich zwar die Gewichtungen, die leitenden Gegensätze bleiben aber erhalten. Die Kategorie der »Ähnlichkeit« eröffnet hier eine Alternative.
Ziel des Bandes ist es, die Kategorie der »Ähnlichkeit« historisch wie systematisch auf ihre theoretische Reichweite hin zu überprüfen. »Ähnlichkeit« ist nicht nur ein heuristisches Konzept, sondern dient auch als Argument und Verhaltensoption auf der Ebene kultureller Praktiken. Deswegen stand der Begriff über längere Zeit in Misskredit. Er wurde verdächtigt, Vorstellungen der Assimilation und damit einer unter Zwang vorgenommenen Angleichung von Kulturen, Geschlechtern oder religiösen Überzeugungen zuzuarbeiten. Zudem verlegte man das Ähnlichkeitsdenken stets an einen anderen Ort und in eine andere Zeit, schrieb es primitiven Kulturstufen oder vormodernen Epochen und damit einer anderen »Ordnung der Dinge« (Foucault) zu, um es von einer rationalistischen Moderne abzugrenzen, die nur exakte Begriffe als gültig anerkennt.
Ein Denken in Ähnlichkeiten widerspricht in der Tat dem Wunsch nach präziser Grenzziehung und genauer Definition. Diesen scheinbaren Mangel gilt es jedoch theoretisch fruchtbar zu machen. Kulturtheoretische Konzepte haben sich an den Phänomenen zu orientieren, die sie beschreiben. Kulturelle Gegebenheiten eignen sich kaum für scharfe definitorische Abgrenzungen, sondern sind durch fließende Übergänge, vielfache Überlagerungen und breite Grenzsäume gekennzeichnet. Die spezifische epistemologische Leistungsfähigkeit der Kategorie »Ähnlichkeit« besteht gerade darin, den Umgang sozialer Akteure mit vagen Verhältnissen, diffusen Dynamiken und unscharfen Relationen in den Blick zu bekommen.
Mit Beiträgen u. a. von Aleida Assmann, Jan Assmann, Rüdiger Görner, Ulrike Kistner, Albrecht Koschorke, Thomas Kirsch, Andreas Langenohl, Jürgen Osterhammel, Klaus Sachs-Hombach, Rudolf Schlögl.
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Bibliographische Angaben
- Copyrightjahr
- 2021
- ISBN-Print
- 978-3-8353-9074-4
- ISBN-Online
- 978-3-8353-9738-5
- Verlag
- Wallstein, Göttingen
- Reihe
- Konstanz University Press
- Sprache
- Deutsch
- Seiten
- 340
- Produkttyp
- Sammelband
Inhaltsverzeichnis
- Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 6
- Einleitung Kein Zugriff Seiten 7 - 32 Anil Bhatti, Dorothee Kimmich
- Ähnlichkeit. Valenzen eines post-postkolonialen Konzepts Kein Zugriff Seiten 35 - 46 Albrecht Koschorke
- Zum Humanismus der Ähnlichkeit Kein Zugriff Seiten 47 - 60 Jan Assmann
- Arbeit der Ähnlichkeiten – Arbeit an Ähnlichkeiten. Walter Benjamin und Sigmund Freud Kein Zugriff Seiten 61 - 74 Ulrike Kistner
- Ähnlichkeit – Divergenz – Konvergenz. Für eine Historiographie relationaler Prozesse Kein Zugriff Seiten 75 - 92 Jürgen Osterhammel
- Ähnlichkeit. Funktionen und Bereiche eines umstrittenen Begriffs Kein Zugriff Seiten 93 - 104 Klaus Sachs-Hombach
- Ähnlichkeit als differenztheoretisches Konzept: Zur Reformulierung der Modernisierungstheorie Kein Zugriff Seiten 105 - 128 Andreas Langenohl
- Der Ort von Vergleich und Transnationalität. Ein Plädoyer für vergleichende Geisteswissenschaften Kein Zugriff Seiten 129 - 152 Naoki Sakai
- Jenseits von Differenz und vollkommener Identität. Das Konzept der Ähnlichkeit in den Sozialwissenschaften Kein Zugriff Seiten 153 - 164 Gurpreet Mahajan
- Ähnlichkeit als Performanz. Ein neuer Zugang zu Identitätskonstruktionen und Empathie-Regimen Kein Zugriff Seiten 167 - 186 Aleida Assmann
- Orte der Ähnlichkeit. Literarische Aushandlungen im bürgerlichen Realismus Kein Zugriff Seiten 187 - 202 Dorothee Kimmich
- Das Differente im Ähnlichen. Zu einem Modus ästhetischen Vergleichens bei Hofmannsthal, Trakl, Novalis und Thomas Mann Kein Zugriff Seiten 203 - 218 Rüdiger Görner
- Kakanische Mischungen. Von der Identitäts- zur Ähnlichkeitswissenschaft Kein Zugriff Seiten 219 - 244 Johannes Feichtinger
- Ähnlichkeit und Differenz der Religion(en) 1750–1850 Kein Zugriff Seiten 245 - 254 Rudolf Schlögl
- Klassifikation und Vergleich in der Religionswissenschaft. Das Beispiel indigener Diskurse Kein Zugriff Seiten 255 - 276 Johan Strijdom
- Verfängliche Ähnlichkeiten innerhalb und außerhalb der Ethnologie Kein Zugriff Seiten 277 - 306 Thomas G. Kirsch
- Kampf um Hegemonie. Die Türkische Republik am Wendepunkt Kein Zugriff Seiten 307 - 322 Levent Tezcan
- Auswahlbibliografie Kein Zugriff Seiten 323 - 336
- Autorinnen und Autoren Kein Zugriff Seiten 337 - 340




