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Kleine Poetik der Schublade

Autor:innen:
Verlag:
 2023

Zusammenfassung

Schubladen dienen bekanntlich der Aufbewahrung von Dingen und der Stiftung von Ordnung, auch wenn in ihnen häufig das Chaos regiert. Meist befinden sie sich an Orten, wo man sie übersieht. Obwohl Schubladen in vielen literarischen Texten eine entscheidende Rolle spielen, bleiben sie in der Literatur- und Kulturgeschichte häufig unbemerkt. Höchste Zeit also, einen Blick hineinzuwerfen. Von Goethe bis Musil nimmt der Essay von Christian Begemann Funktionen und Bedeutungsebenen dieses sehr speziellen Behältnisses in den Blick. Die Literatur des 19. Jahrhunderts und der frühen Moderne entfaltet nämlich eine regelrechte Poetik der Schublade, deren Inhalt etwa der Charakterisierung von literarischen Figuren dient. Aber in und aus ihnen entspringen auch Handlungen, wenn etwa Dinge, Aufzeichnungen oder Briefe zutage treten, die das Leben der Figuren einschneidend verändern. Mitunter werden ganze Geschichten aus Schubladen hervorgesponnen: Katastrophen, kleine und große, Liebesdesaster und Ehekrisen. Das spiegelt sich auch in der Konstruktion von Erzählungen wider, die als alte Blätter fingiert in Schubladen aufgefunden werden. Schubladen sind Räume des Gedächtnisses, damit aber auch Räume des Unbewussten. Neben längst vergessenem Plunder finden sich dort auch Objekte, in denen Erinnerung gespeichert ist, und die, oftmals gespenstisch und zerstörend, die Vergangenheit wiederkehren lassen. Dass hier Kräfte am Werk sind, die ungerufen auftreten und sich nicht steuern lassen, macht die spezielle Magie der Schublade aus. Schaut man genauer in sie hinein, werden Fragen eines kulturellen Imaginären aufgeworfen, das Risse im modernen Bewusstsein markiert.

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Bibliographische Angaben

Copyrightjahr
2023
ISBN-Print
978-3-8353-9163-5
ISBN-Online
978-3-8353-9757-6
Verlag
Wallstein, Göttingen
Reihe
Konstanz University Press
Sprache
Deutsch
Seiten
146
Produkttyp
Monographie

Inhaltsverzeichnis

KapitelSeiten
  1. Titelei/Inhaltsverzeichnis Kein Zugriff Seiten 1 - 6
    1. Warum Schubladen? Kein Zugriff
    2. Woher kommen und wozu dienen Schubladen? Kein Zugriff
    3. Ordnung und Ordnungen Kein Zugriff
    4. Dialektiken der Ordnung Kein Zugriff
    5. Memoria Kein Zugriff
    6. Überblick Kein Zugriff
    1. Ein charakteristisches Sammelsurium Kein Zugriff
    2. Räume der Ordnung und des Chaos Kein Zugriff
    3. Mnemotopik in der Schublade Kein Zugriff
    4. Die Ordnung des Geldes Kein Zugriff
    5. Zauberformel und Adelsdiplom Kein Zugriff
    6. Versteckte Briefe Kein Zugriff
    7. Effi und das Gesellschafts-Etwas Kein Zugriff
    8. Der rote Faden Kein Zugriff
    9. Der Ehemechanismus Kein Zugriff
    10. ›Sex‹ oder ›Gender‹? Kein Zugriff
    11. Aufgebrochene Schubladen und kollektive Falschmünzerei Kein Zugriff
    12. Schubfächer des Unbewussten Kein Zugriff
    13. Nachtseiten Kein Zugriff
    14. Der »phantastische Zug«: Bruchlinien im Subjekt der Moderne Kein Zugriff
    15. Verschollene Dinge, alte Blätter, Erzählscharniere Kein Zugriff
    16. Eine andere Unsterblichkeit. Zur Poetik des Auffindens und der Überlieferung Kein Zugriff
    17. Die ›agency‹ der Schubladen Kein Zugriff
    18. Das Leben der Toten Kein Zugriff
    19. Belebte Dinge Kein Zugriff
    1. Rückblick Kein Zugriff
    2. Epilog: Autodafé Kein Zugriff
    3. Ausblick: Onkel Dagoberts Bett Kein Zugriff
  2. Nachbemerkung Kein Zugriff Seiten 141 - 142
  3. Literaturverzeichnis Kein Zugriff Seiten 143 - 146

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